Mystery-Schau Zeigt Winzling
Ein kurioser «Gnom» sorgt für grosse Augen: Zu sehen ist das mumifizierte Lebewesen aus Chile ab sofort in Berlin – im Rahmen der archäologischen Kuriositätenschau «Unsolved Mysteries».
Der Mann liebt es, Altertumsforscher zu provozieren.
Unermüdlich spurtet der Wiener Ausstellungsmacher Klaus Dona (Bild) rund um den Erdball – immer auf der Suche nach neuen kontroversen Relikten aus vergangenen Zeiten.
Erst kürzlich präsentierten er und sein Co-Organisator Reinhard Habeck ihre Ausstellung «Unsolved Mysteries» im schweizerischen Interlaken. Jetzt öffnet die archäologische Kuriositäten-Schau bereits wieder ihre Pforten – diesmal in Berlin.
Neue Hauptattraktion: Ein rund vierzehn Zentimeter grosser «Gnom». Gefunden wurde das mumifizierte Minilebewesen in der chilenischen Wüste. «Ein klassischer menschlicher Fötus ist das nicht», betont Dona. «Erstens hat das Ding keine Fontanelle. Und zweitens versicherte mir ein wissenschaftlicher Experte, der mich berät, dass die Knochen für einen 20 bis 22 Wochen alte Fötus zu stark ausgebildet seien.»
Was ist es dann? Das fragten sich kürzlich auch zwei Professoren von der Universität in Madrid. «Nach einem ersten Augenschein des Originals gaben sie ebenfalls zu Protokoll, dass es kein klassischer Fötus sein kann», erzählt Dona.
Nur gerade eine Woche später aber hätten die zwei dem Besitzer einen Brief geschrieben. Inhalt: Nach weiterer Begutachtung entsprechender Fotos sei man nun doch zum gegenteiligen Schluss gelangt. Die Uni-Untersuchung fiel ins Wasser.
«Die haben kalte Füsse bekommen», ist Dona überzeugt. «Das Original konnten sie nicht erklären, Fotos davon aber schon. Das ist doch abstrus.» Unglücklich ist er über den Rückzieher dennoch nicht, wie er verschmitzt anmerkt: «Immerhin können wir den Winzling nun statt dessen in Berlin erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentieren.»
Sechs Monate lang gastiert die Ausstellung in der deutschen Metropole. Sie präsentiert den Besuchern alles was bereits im Schweizer Mystery Park zu sehen war – und noch mehr. Darunter so kontroverse Originalstücke wie 4000 Jahre alte Dinosaurier-Skulpturen aus Acambaro (Mexico) oder gravierte Steine mit kuriosen Darstellungen aus einem geheim gehaltenen Höhlensystem in Illinois.
Riesige Knochen Doch in Gedanken weilt Dona bereits wieder in Ecuador. Sobald es seine Zeit zulässt, will er dort mit Reinhard Habeck weiterbuddeln – nach geheimnisvollen Riesenknochen.
Und dann wartet da noch eine andere Story auf ihre Überprüfung. Dona: «In Ecuador wurden wir über Umwege an eine Frau verwiesen. Ein Bekannter von ihr, so erzählte sie, hätte in einem Naturschutzpark kleine Wesen beobachtet und deren ‹Werkzeuge› später behändigt.»Aus Furcht vor Spott rede der Mann mittlerweile mit niemandem mehr darüber, weiss Dona – und will ihn nichtsdestotrotz aufsuchen. In der Hoffnung die «Zwergen-Utensilien» doch zu Gesicht zu bekommen.
Vorerst aber muss er sich noch intensiv um die neu eröffnete Berliner Ausstellung kümmern. Jedes Exponat will ins rechte Licht gerückt sein: «Der ‹Gnom› etwa zeigte bereits leichten Pilzbefall», erzählt Klaus Dona. «Ein Spezialist musste ihn aufwändig reinigen, ehe er in einen Glassarkophag eingeschweisst und in der Vitrine verstaut werden konnte.»
Sobald alles am richtigen Platz ist, kehrt der Wiener Ausstellungsmacher an den Verhandlungstisch zurück. Auf dem Programm stehen Gespräche, um die Ausstellung demnächst nach Rom und später weiter nach Japan zu lotsen.
red. ■




