Elektrosmog: Auch Schweizer Leiden

Rund 5 Prozent der Schweizer schreiben ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen dem Elektrosmog zu. Teils zu Recht, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Behörden zeigt. Klärung soll nun ein Forschungsprogramm bringen, für das der Bund fünf Millionen Franken locker macht.

Schadet Elektrosmog der Gesundheit? Diese Frage wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Zwar gibt es immer wieder Berichte über Gesundheitsbeschwerden, die von den Betroffenen auf Elektrosmog zurückgeführt werden. Die Häufigkeit dieses als «Elektrosensibilität» bezeichneten Phänomens in der Schweizer Bevölkerung war bis anhin jedoch unbekannt.

Nebst den direkt Betroffenen fürchten sich viele Menschen vor Elektrosmog, ohne selber Probleme damit zu haben. Zu beiden Gruppen gibt es nun erstmals Zahlen für die Schweiz: Im Auftrag des BUWAL hat das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern 2048 Schweizerinnen und Schweizer befragt.

Die Studie zeigt: Rund 5 Prozent der Befragten sind überzeugt, sensibel auf Elektrosmog zu reagieren und dadurch gesundheitlich beeinträchtigt zu sein. Als Beschwerden werden hauptsächlich unspezifische Krankheitssymptome wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen angegeben.

Verdächtigt als Ursache der Beschwerden werden an erster Stelle Hochspannungsleitungen und Handys, gefolgt von anderen Strahlungsquellen oder Elektrosmog generell. Mobilfunkbasisstationen sind weniger stark vertreten, als dies die Medienberichterstattung generell vermuten liesse.

370’000 Betroffene Der Anteil von 5 Prozent Betroffenen ist nicht zu unterschätzen. Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung sind dies 370'000 Schweizerinnen und Schweizer, die sich persönlich als elektrosensibel einstufen. Das ist eine ernst zu nehmende Minderheit.

Was es mit der Elektrosensibilität genau auf sich hat und wie elektrosensiblen Personen geholfen werden kann, hat die Universität Basel in einem Pilotprojekt untersucht. Die Resultate zeigen: 25 der 63 untersuchten Personen vermuteten, dass Elektrosmog die Ursache für ihre Gesundheitsbeschwerden sei. Die Fachleute führten ausführliche medizinische und psychologische Untersuchungen sowie eine Elektrosmog-Messung bei den Betroffenen zu Hause durch.

Bei einem Drittel der Elektrosmog-Verdachtspersonen erachteten sie einen Zusammenhang zwischen einem Teil der geschilderten Gesundheitsbeschwerden und dem Elektrosmog als durchaus plausibel. Diese Resultate deuten darauf hin, dass Elektrosmog tatsächlich die Gesundheit oder das Wohlbefinden beeinträchtigen kann.

Weiterer Forschungsbedarf Wesentlich mehr der von der Universität Bern Befragten, nämlich 53 Prozent haben zwar selber keine Beschwerden im Zusammenhang mit Elektrosmog. Sie machen sich jedoch Sorgen um die eigene Gesundheit wegen mindestens einer der bekannten elektromagnetischen Feldquellen. Von allen in der Studie erfragten Umwelteinflüssen am meisten Sorgen bereitet interessanterweise allerdings nicht der Elektrosmog, sondern vielmehr die allgemeine Verschmutzung der Luft (69 Prozent).

Wissenschaftlich erhärtete Informationen über das gesundheitliche Gefährdungspotenzial von Elektrosmog sind nach wie vor spärlich, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Dies gilt insbesondere für das Phänomen der Elektrosensibilität und generell für Langzeitbelastungen bei niedriger Intensität.

Um hier mehr Klarheit zu erhalten, muss die Forschung weitergehen. Zu diesem Zweck hat der Schweizer Bundesrat nun am 11. März 2005 beschlossen, ein nationales Forschungsprogramm mit einer Gesamtsumme von 5 Millionen Franken für vier Jahre durchzuführen.

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