Brooke (12) Altert Nicht: Was FüHrt Ihr Arzt Im Schild?

US-Pädiater Lawrence Pakula (links). Seine Rolle bei der Behandlung von Brooke Greenberg (rechts) ist umstritten.

Brooke sei ein weltweiter Sonderfall – behauptet ihr Arzt, der bekannte Mediziner Lawrence Pakula. Das amerikanische Mädchen leide an einem «unbekannten Syndrom» und altere nicht. Seit die Medien den Fall unerwartet aufgegriffen haben, ereignen sich indes seltsame Dinge…

Die Meldung klingt mysteriös. Doch seit sie im Internet kursiert, wird sie noch mysteriöser: Ein 12jähriges Mädchen, so meldete der US-Fernsehsender WBAL am 13. Mai 2005 in Baltimore, gebe Medizinern Rätsel auf.

Gerade mal sechs Kilo bringe Brooke Greenberg heute auf die Waage. Also etwas mehr als ein halbjähriges Baby. 68 Zentimeter sei sie klein. Denn sie leide an einem bislang unbekannten Symptom: Sie altere körperlich nicht. Und dies als einziger Mensch auf der ganzen Welt.

Zwar könne Brooke nicht sprechen, verfüge aber über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Allerdings machten ihr Krankheiten das Leben schwer: Leichte Schlaganfälle, epileptische Anfälle, Entzündungen im Magen und Darm sowie schwere Atembeschwerden – die sie allesamt überlebt hätte.

Die Meldung wurde unverzüglich von etlichen Internet-Newsportalen in alle Welt verbreitet. Hierzulande wurde sie zudem von der DPA umgeschrieben und an sämtliche Redaktionen übermittelt. Die Nachrichtenagentur merkte zusätzlich an, dass Genforscher nun versuchen würden, «in Brookes Erbgut den Weg zur ewigen Jugend zu finden».

Wer im Internet mehr zu erfahren hoffte, bemerkte indes Merkwürdiges: Unmittelbar nach der Verbreitung der Story funktionierten Dutzende von Presse-Links plötzlich nicht mehr. Resultat: Fehlermeldungen ohne Ende. Welche Stelle griff hier «von oben» ein? Und aus welchem Grund?

Bald stellte sich heraus, dass die Meldung von der Firma Internet Broadcasting ‹‹

Wurde die Story wirklich nur versehentlich verbreitet? Systems angeblich «versehentlich» an andere Newsportale weitergereicht wurde, wie sich ein NBC-Mitarbeiter auf Anfrage vorsichtig äusserte.

Warum aber nahm auch WBAL selbst die Meldung kurzerhand wieder vom Netz? War der Fernsehsender einer Ente aufgesessen und versuchte sein Versehen nun nachträglich auszubügeln?

Rick Moran – Betreiber der Webseite www.rightwingnuthouse.com – wollte es genauer wissen und klopfte diesbezüglich am 16. Mai 2005 bei WBAL an. Antwort: «Die Story stimmt. Allerdings sehen wir uns aufgrund gewisser Vereinbarungen ausserstande, weitere Informationen dazu zu liefern.»

Zwei Tage später die Kehrtwende. Erneut erhielt Moran Post von WBAL.

Nun hiess es: «Die Story ist wieder online.»

Arzt spricht von Einzelfall Dass es sich um keine Ente handeln kann, zeigt auch die ausführliche Berufung auf Dr. Lawrence Pakula – Brookes persönlichen Arzt. Er gab im WBAL-TV- Beitrag ausführlich Auskunft über das aussergewöhnliche Mädchen. Wenn er also von einem absoluten «Einzelfall» spricht, der sich nicht klar diagnostizieren lasse, sollte er eigentlich wissen, wovon er spricht. Denn Pakula ist nicht irgendwer: Er gilt als einer der führenden Pädiater an der berühmten Johns Hopkins University School of Medicine.

Und: Er ist Spezialist für Kinder mit allen Arten von Behinderungen. Pakula betont: «Wenn Sie irgendeinen Arzt fragen, der noch nie von dem zwölfjährigen Mädchen gehört hat, wird er Ihnen wohl sagen, dass es sich bei ihr wohl um ein zweijähriges behindertes Kleinkind handle.»

Kommt dazu, dass die türkische Zeitung «Aksam» bereits am 30. Oktober 2002 über Brooke berichtet hatte. Sie bildete die kleinwüchsige Neunjährige damals auch ab. Und die Zeitschrift «People» erwähnte sie 2001 ebenfalls.

Warum keine Publikation?

Warum also lässt sich in der Fülle von Pakulas bisherigen wissenschaftlichen Publikationen kein einziger Hinweis auf Brooke Greenberg finden? Warum dokumentiert der Spezialist den Fall für seine medizinischen Kollegen nicht – wenn er doch so einzigartig ist? Wollte er sich nur wichtig machen?

Oder viel eher: Will er uns die medizinische «Sensation» demnächst exklusiv verkaufen – und unterband er die Medienberichterstattung deshalb, weil er von ihr überrascht wurde? Liegen womöglich bereits entsprechende Exklusiv-Verträge vor, die er nicht brechen will?

Auf Anfrage von «mysteries» mochte Lawrence Pakula zur laufenden Kontroverse um die zwölfjährige Brooke bezeichnenderweise keine Stellung nehmen. Und so bleibt der unangenehme Eindruck, dass hier möglicherweise ein Wissenschaftswettlauf stattfindet – auf Kosten eines behinderten Kindes.

red. ■

Ein junger Junge liegt mit der Hand auf dem Kinn im Bett.
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Ein Mann, der mit den Händen auf den Knien kniet.