DäNiken: Neuer Roman In Der Schublade

Von Müdigkeit keine Spur: Nächstes Jahr feiert Erich von Däniken seinen 70. Geburtstag. Und der Schweizer ET-Spezialist strotzt nur so vor neuen Plänen. Neben Vorträgen, TV-Auftritten und PR-Arbeit für seinen «Mystery Park» tüftelt Däniken zusammen mit der Universität Dresden an einem neuen Forschungsprojekt über die Ebene von Nazca. Ein Filmprojekt ist ebenfalls in Planung. Und bald will Däniken auch wieder schreiben. «In meiner Schublade liegt eine tolle Story», verrät er.

Interview: Luc Bürgin Ihr Mystery-Park im schweizerischen Interlaken boomt, auch am TV sind Sie omnipräsent. Dennoch bewegt viele Ihrer Fans derzeit vor allem eine Frage: Wann schreibt Erich von Däniken endlich wieder ein Buch?

Däniken: Irgendwann ganz bestimmt. Zurzeit bin ich mit dem Mystery Park ausgelastet, mit Auftritten für den Park, aber auch mit Texten für Innovationen. Denn wir wollen den Besuchern ja immer wieder etwas Neues bieten. Zurzeit habe ich keine Möglichkeit, ein Buch zu schreiben – aber im Hinterkopf arbeitet es, und am guten Willen wirds nicht fehlen…

Autoren arbeiten oft an mehreren Manuskripten gleichzeitig. Manches Unfertige wandert dann vorübergehend in die Schublade, bis die Zeit dafür reif wird.

Hat Erich von Däniken kein Manuskript in der Schublade liegen?

Däniken: Oh doch, hab ich. Eine wirklich tolle Story. Sie hat den Arbeitstitel: «Thommi und der Planet der Lüge». Die Geschichte hab ich bis auf etwa 180 Seiten gebracht, die liegt tatsächlich in meiner Schublade. Aber sie ist einfach noch nicht ganz rund, und ich muss noch ein bisschen daran arbeiten. Ich hoffe, dass ich das noch diesen Sommer fertig bringe, so bis etwa September. Es ist ein Roman.

Ein futuristischer Roman?

Däniken (schmunzelt): Nicht unbedingt.

Vor einiger Zeit haben Sie die Erich-von- Däniken-Stiftung ins Leben gerufen. Gibt Däniken vor dem Wahrzeichen seines Mystery Park. In der Kugel befindet sich unter anderem auch sein Büro.

es bereits konkrete Projekte, die spruchreif sind?

Däniken: Zwei Dinge diskutieren wir derzeit mit den zuständigen Wissenschaftlern: Das eine ist Nazca. Da geht es um die technische Universität Dresden.

Federführend ist Professor Dr. Gunter Reppchen, der mit seinem Team intensiv in Nazca gearbeitet hat.

Ich sass mit ihm zusammen, mehr als einen Abend, und hab ihm meine Sorgen geschildert. Ich sagte ihm: Schau mal, in Nazca wird Archäologie betrieben, die ist integer, die ist wunderbar. Die Herren Archäologen finden dann Gräber und Knochen, machen sicherlich die richtigen Datierungen und stellen so fest, welche Kultur wann wo gearbeitet hat.

Aber das ist für mich nicht der Kern der Nazca-Geschichte. Ich möchte wissen: Welche dieser so genannten Linien, der «Pisten», ist die älteste? Mich interessieren auch keine Keramikfunde oder Knochen. Ich möchte wissen: Ist hier irgendwo Hitze frei geworden, und zwar an bestimmten Stellen, die ich aus meiner Nazca-Erfahrung kenne? Könnte man das nachweisen, vielleicht in 50 Zentimetern oder einem Meter Tiefe?

Ich möchte wissen: Gibts vielleicht irgendwelche Spuren unter ganz bestimmten Stellen von Nazca, die eindrücklich sind? Stellen, wo man Reste einer spezifischen Metallurgie nachweisen könnte? Ist vielleicht irgendwo in eineinhalb Metern Tiefe eine Veränderung des Magnetfelds feststellbar? Gibt es vielleicht in zwei Metern Tiefe ganz bestimmte Pflanzen oder Tiere, die in der heutigen Wüste gar nicht vorkommen?

Wir haben einen Fragenkatalog zusammengestellt für die Uni Dresden. Ich möchte einfach Fragen stellen, die von wissenschaftlicher Seite exakt bearbeitet werden sollen und nicht von der Archäologie oder der Psychologie.Warum? Dieses ganze ewige Theoriedenken macht mich krank. Du schwimmst in Theorien, hast nur nie was in den Händen. Mich erinnert das immer an bestimmte Luxusrestaurants:Alles auf der Rechnung, aber nix auf dem Teller.

Und das zweite Projekt?

Däniken: Da gibt es einen Mathematiker, der gleichzeitig auch Physiker ist. Dieser Herr hat sich in den letzten Jahren eingearbeitet in die Menhir-Problematik in der französischen Bretagne. Er hat festgestellt, dass es dort noch viel mehr geometrische Zusammenhänge gibt, als man bislang kennt. Diesen Mann werde ich demnächst wieder treffen. Und da bin ich bereit, dass ihm die Stiftung hilft, seine Arbeit fortzuführen.

Mit der Idee, allfällige Resultate dieser Forschungen später auch im Mystery Park in Interlaken zu präsentieren?

Däniken: Selbstverständlich. Wenn es interessant ist, auf jeden Fall. Publiziert wird sowieso, wie immer die Resultate sind.

Zurzeit befindet sich auch ein IMAX-Film über Ihre Thesen in Planung. Wie weit ist das Projekt bereits gediehen?

Däniken: Im Moment geht es noch ums Geld. Man sucht immer Geld. So ein Imax-Film kostet gut und gerne sechs bis sieben Millionen Euro. Die muss man erst einmal zusammenbringen. Status ist, dass die Produktionsfirma soeben einen entsprechenden Hochglanzprospekt lanciert.

Ein solches Projekt muss natürlich wasserdicht sein, auch nach deutschem Steuerrecht, so dass man die finanzielle Unterstützung von den Steuern absetzen kann. Da darf keine Betrugsgesellschaft dahinter stecken. Wenn ich meinen Partnern Glauben schenke, ist das alles auf gutem Wege. Aber Fragezeichen bleiben so lange bestehen, bis die Finanzierung gesichert ist. Und ich schätze, das dauert noch mindestens bis im Oktober dieses Jahres.

Sie zählen zu den wenigen Sachbuchautoren, die sich den Luxus leisten, aufs Internet zu verzichten. Wie lebt es sich ohne Internet?

Däniken: Ich lebe hervorragend und vor allem freier als all die Internet-Sklaven. Natürlich habe ich eine Homepage. Natürlich wird diese unzählige Male angeklickt. Und natürlich bekommen wir täglich Hunderte von Mails. Aber die zu lesen würde bedeuten, jeden Tag all das Zeug durchzugehen – stundenlang. Das ist unglaublich. Du wirst zum Sklave dieses modernen Mediums.

Ich lebe also weitaus unbelasteter, wenn ich all den Mist, der mir täglich auf elektronische Weise ins Haus flattert, nicht auch noch lesen muss – weil ich mich unter Umständen sogar noch darüber ärgern müsste.

Im Laufe der Jahrzehnte haben Sie einen originellen, unverblümten und vor allem unverwechselbaren Schreibstil entwickelt.

Wer hat Sie als jungen Mann eigentlich schriftstellerisch beeinflusst? Gab es da Vorbilder?

Däniken: Vorbilder würde ich nicht sagen. Aber ich habe als Jugendlicher viel von Friedrich Nietzsche gelesen. Und Nietzsche hatte einen brillanten Stil, eine Wortwahl, die sehr eindrücklich ist. Den «Antichrist» oder «Ecce homo» oder «Nietzsche contra Wagner»: Die hab ich mehrmals gelesen. Von seiner Aggressivität ist bei mir schon einiges hängen geblieben.

Später als Erwachsener habe ich Bücher von Karl Steinbuch gelesen. Steinbuch hat sich vehement gewehrt gegen die Dummheit der Gesellschaft und die Beeinflussung durch irgendwelche Agenten, über Medien und so weiter. Auch er hat sehr aggressiv geschrieben. Das hat mir gepasst: Leute, die nie ein Blatt vor den Mund genommen haben. Beeinflusst hat mich später sicher auch Utz Uttermann, der meine allerersten Bücher bearbeitet hat.

Seit dem vierten oder fünften Buch stammt jeder Satz von mir. Dennoch ist man auch heute nie vor Überraschungen gefeit. Im letzten Buch etwa hab ich einen Satz geschrieben, der sich ableitet vom deutschen Sprichwort: «Was lange währt, wird endlich gut.» Ich habe das Wörtchen «gut» umwandelt in «Wut». Dann kamen die Druckfahnen zurück und der Lektor hat das gemerkt – und das W wieder ersetzt durch ein g. Jetzt war es wieder «gut».

Schliesslich hab ich rot ins Manu geschrieben: «Ich meine Wut, nicht gut!»

Dann kam das Buch heraus und prompt stand wieder «gut» drin. Es ist zum Verrücktwerden!

Neben Ihrer Kritik an der Schulwissenschaft hielten Sie auch mit Kommentaren zum politischen Zeitgeschehen nie zurück. Was halten Sie von der Bush-Administration?

Däniken: Für mich war Amerika immer das Land der Entdeckungen, der grossen Wissenschaften. Viele grandiose Leistungen sind aus Amerika gekommen und werden wohl auch heute und in der Zukunft noch von dort kommen.

Doch der Amerikaner – ich meine das so genannte Volk, die Masse – dieser Amerikaner war für mich immer naiv. Der verstand nie etwas von Politik. Der hat sich immer indoktrinieren lassen vom Fernsehen, von seinen Zeitungen. Der verwechselt Switzerland mit Sweden und hat keine Ahnung von Europa.

Die europäischen Staaten kommen auch kaum vor in den amerikanischen Medien. Er ist einfach, ein leichtgläubiger naiver Massenmensch, der Amerikaner.

Und was die gegenwärtige Administration betrifft: Da haben wir wohl alle dasselbe ungute Gefühl. Das ist nicht vernünftig, was hier geht.

Selbst wenn man kein Amerikaner ist, muss man sich schämen, wenn man diese Bilder von Folterungen sieht. Ausgerechnet von einer Nation, die ausgezogen ist, um einen Folterer weg vom Ruder zu bringen. Und dann erlebt man, wie primitiv und fürchterlich die Amerikaner in ihren Gefängnisse vorgehen…

Das ist alles sehr erschreckend. Ich finde es überdies auch nicht gut, wenn nur noch eine Nation auf dem Globus die stärkste ist, was die Technologie betrifft.

Schliesslich weisst du nie, was Menschen in Zukunft in den Sinn kommt, was sie mit ihrer Power so alles anstellen. Ich bin über die Entwicklung also alles andere als glücklich.

Andererseits: Wenn die Amerikaner Weltraumforschung betreiben, wieder zum Mond fliegen oder zum Mars, Pioniertaten leisten, dann ist das eine andere Seite der amerikanischen Gesellschaft. Eine Seite, die mir weitaus sympathischer ist…

Kürzlich feierten Sie Ihren 69. Geburtstag. Wie fühlt man sich, wenn der Zahn doch ein bisschen stärker an einem nagt als früher?

Däniken: Ich habe ein paar körperliche Beschwerden, irgendwo in den Gelenken, irgendwo im Knie oder im Knöchel und humple manchmal ein paar Tage herum. Und das erinnert mich immer daran: «Hee Junge, du wirst älter.» Was aber meinen Verstand und meine Lebenskraft, die Vitalität, die Logik und das Fachwissen betrifft, hat gar nichts nachgelassen. Insofern bin ich zuversichtlich.

(Schmunzelt.)

Im Gegensatz zu anderen haben Sie das Problem, die meisten Ihrer Träume bereits realisiert zu haben. Hat Erich von Däniken, hoch oben in seinem Büro im Kugelturm des Mystery Park, überhaupt noch Träume?

Däniken: Und wie. Wir haben zwar Hunderte von hervorragenden Indizien, die meine These vom Besuch der Ausserirdischen in unserer Vergangenheit stützen, aber wir haben keine objektiven Beweise.

Ich hätte gerne mal den einen oder anderen Gegenstand auf dem Tisch, den ich der Presse triumphierend unter die Nase halten könnte, oder auch unserer wissenschaftlichen Gemeinschaft, und sagen: «Freunde, das Stück ist erstens künstlich – also nicht irgendein Meteorit – und zweitens ausserirdisch!»

Aber die Verwirklichung dieses Traumes ist durchaus möglich. Das sehe ich ganz realistisch in den nächsten Jahren. Irgendeinem Forscher gelingt es vielleicht endlich, an die Überreste der Bundeslade heranzukommen, die bekanntlich in Äthiopien unter der Marienkathedrale von Axum liegen soll. Man weiss, dass da und dort wahrhaft mysteriöse Überreste unserer Vorfahren existieren. Von einigen weiss man sogar, wo sie liegen – nur wird man nicht rangelassen.

Und es muss ja nicht zwingend der Däniken sein, dem dieser Erfolg gelingt. Im Gegenteil: Ich gönne jedem den Erfolg.

Von Herzen! Ich würde in meiner Kugel vor Freude darüber herumhüpfen, sicher zwei Stunden lang – trotz Gicht und Ischias… ■

Ein Mann im Anzug steht auf einem Podium.
Ein schwarz-weißes Foto einer Gruppe von Pferden vor einem Gebäude.