HomöOpathie FüR Stillende MüTter
Mutter, nach der Geburt. Immer mehr schwangere oder stillende Frauen setzen auf komplementäre Behandlungsmethoden.
Ein neues Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Zürich untersucht die Anwendung von homöopathischen Heilmitteln während der Stillperiode. Eine Pilotstudie ist nun abgeschlossen.
Schwangerschaft, Geburt und Stillperiode stellen eine der empfindlichsten Phasen im weiblichen Leben dar. «Trotzdem ist die Erforschung von Beschwerden und Behandlungen um die Geburt herum und in der Stillzeit in der Medizin ein Stiefkind», weiss Reinhard Saller, Professor für Naturheilkunde am Universitätsspital Zürich.
Spätestens seit dem Contergan-Skandal sind sich Mediziner und werdende Mütter der Gefahr von Nebenwirkungen durch die medikamentöse Behandlung bewusst. Contergan wurde gegen Übelkeit in der Schwangerschaft – eine nicht lebensbedrohliche Beschwerde – eingesetzt. Verstümmelte Gliedmassen beim Neugeborenen waren die Folgen.
Gerade für diese empfindliche Zeit sind wirksame aber nebenwirkungsarme Heilmittel wichtig – komplementärmedizinische Behandlungen werden damit assoziiert. Doch ihre Anwendung ist heute noch kaum erforscht.
Hier setzt eine neue Untersuchung an der Abteilung Naturheilkunde in Zusammenarbeit mit der Homöopathie-Firma Similasan. «Wir wollen Anwendungsge-Saller. biete für naturheilkundliche Arzneimittel, speziell homöopathische, in der Stillperiode untersuchen», sagt Reinhard Saller.
Eine nicht repräsentative Pilotstudie ist bereits abgeschlossen. Dabei ging es um die Frage, welche in dieser Zeit die wichtigsten Beschwerden sind und zu welchen pathische Mitteln schwangere und stillende Frauen greifen. In drei geburtshilflichen Einrichtungen haben die Forscher 139 Frauen zu ihrem Gebrauch von Naturheilmitteln während Schwangerschaft und Stillzeit befragt.
«Ein Grossteil der Frauen greift in dieser Zeit zu komplementären Methoden, sei es Homöopathie, Bachblüten, Spagyrik, anthroposophische Medikamente oder andere pflanzliche Heilmittel», so Saller. Häufigste Anlässe dafür waren Milchstau, Förderung der Milchbildung, Gebärmutterrückbildung, Brustentzündung und Wundheilung nach Dammriss.
Je ein Drittel der Frauen griff dabei zur Homöopathie oder zur anthroposophischen Medizin. Etwa doppelt so häufig setzten sie pflanzliche Heilmittel ein. Was die Befragung auch zutage förderte: Die Frauen fühlen sich oft unsicher und allein gelassen. Diese Tatsache beweist den Medizinern der Universität Zürich, dass hier grosser Forschungsbedarf vorhanden ist.
Nun sollen die Resultate der Pilotstudie in einer grösseren Untersuchung überprüft werden. Am Kantonsspital Zug und am Kreisspital Muri werden demnächst 400 Mütter befragt. «Die zentrale Frage ist, welches die häufigsten Behandlungsanlässe im Zusammenhang mit dem Wochenbett sind», erklärt Reinhard Zusammenarbeit mit Similasan In weniger als einem Jahr sollte diese Studie abgeschlossen sein. Daraus wollen die Forscher wichtige Indikationen herauskristallisieren, für die eine homöo- Behandlung geeignet sein könnte. «In einem dritten Schritt werden wir betroffenen Frauen entsprechende homöopathische Heilmittel abgeben und deren Wirksamkeit untersuchen.»
Hier arbeitet die Abteilung Naturheilkunde eng mit Similasan, einem bekannten Hersteller solcher Präparate, zusammen. Die Untersuchung soll Aufschluss über den zeitlichen Verlauf der Wirkung sowie allfällige Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten geben. Erst dann sind die Grundlagen für eine Studie geschaffen, in der die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln gegenüber anderen Methoden verglichen werden soll.
ch-fo. ■



