Noch ist es ein gut gehütetes Geheimnis. Doch schon bald dürfte sich die Kunde wie ein Lauffeuer um die Welt verbreiten. In aller Stille bereiten Gläubige in Äthiopien derzeit einen der gewagtesten Coups in der Geschichte ihres Landes vor: Die heimliche Verlagerung der jahrtausendealten israelitischen Bundeslade – eines der grössten biblischen Heiligtümer überhaupt. «mysteries» präsentiert brandneue Fotos aus Axum.
Sie gilt als heiligstes aller biblischen Relikte. Nicht nur jüdische Kreise würden für ihren Besitz kaltblütig morden. Im fernen Afrika spielen sich hinter den Kulissen nun hektische Aktivitäten rund um die israelitische Bundeslade ab, die selbst gestandenen Schatzjägern den Schweiss auf die Stirn treiben: Ist es wirklich möglich, dass «Gottes Schatztruhe» nach wie vor existiert?
Im Gegensatz zu anderen historisch umstrittenen Passagen werden dem heiligen Behältnis im Alten Testament der Bibel auffällig detaillierte Abschnitte gewidmet. Moses höchstpersönlich soll in ihrem Innern nach dem Auszug aus Ägypten vor Jahrtausenden die von Gott empfangenen Steintafeln mit den zehn Geboten verstaut haben: «Der Herr sprach zu Mose: (…) Macht mir ein Heiligtum! (…) Macht eine Lade aus Akazienholz, zweieinhalb Ellen lang, anderthalb Ellen breit und anderthalb Ellen hoch! Überzieh sie innen und aussen mit purem Gold! (…) Fertige Stangen aus Akazienholz an und überzieh sie mit Gold!
(…) Dort werde ich mich dir zu erkennen geben und alles sagen, was ich dir für die Israeliten auftrage.» (2. Mose, 25, 1ff.)
Warum Indiana Jones falsch lag Wie durch eine Art vorzeitlichen Lautsprecher unterhielten sich der Allmächtige und sein Prophet dank der Bundeslade auf dem langen Weg ins heilige Land. Doch wo beÀndet sich das Heiligtum heute? Weder in Ägypten noch in einem geheimen Hangar der CIA, wie uns die Indiana-Jones-Filme glauben machen – sondern aller Wahrscheinlichkeit nach im äthiopischen Axum. Dort werden an oberster Stelle derzeit geheime Pläne geschmiedet, um die Lade an einen sichereren Ort zu bringen.
Gemäss einer äthiopischen Schrift aus dem 13. Jahrhundert, dem Kebra Negest, soll die altjüdische, vergoldete Riesenschatulle persönlich von Menelik, dem Sohn König Salomons und der Königin von Saba, ins Land geholt worden sein. Zahlreiche historische Indizien untermauern ihren Weg. Heute ruht die Bundeslade glaubwürdigen Augenzeugen zufolge in der mit mannshohen Eisengittern umzäunten «Chapel of Tablet» – einem kleinen, unscheinbaren Kuppelbau neben dem Gotteshaus der Heiligen Maria von Zion («Ri’ise Adbarat Qidist Maryam Debre Tsiyon»). So betont es auch die altchristliche Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche.
Bewacht wird die heilige Lade in Axum von einem bewaffneten Mönch – Abba Tesfa Mariam – bis ans Ende seiner Tage. Als Einzigem ist ihm der Blick auf Gottes Truhe erlaubt. Ein «Häftling des Heiligen», der das winzige Kapellengelände Zeit seines Lebens nie mehr verlassen und seinen Nachfolger traditionsgemäss erst auf dem Sterbebett benennen darf. Wer als Tourist den Wächter durch die Gitterstäbe zu sehen kriegt, darf sich glücklich schätzen. Denn er lässt sich nur selten blicken.
Eine fast schon unglaubliche Geschichte, wäre da nicht das am 16. August 2012 verstorbene Oberhaupt der äthiopisch-orthodoxen Christen, Abune Paulos, gewesen: Am 19. Juni 2009 liess der afrikanische Patriarch bei seinem Besuch am «G8-Treffen der Religionen» in Rom aufhorchen. Bezugnehmend auf eine von der Medienagentur «Adnkronos» verbreitete Vorabmeldung bestätigte der Kirchenfürst erstmals ofÀziell: «Ja, die Bundeslade beÀndet sich bei uns in Axum!»
Er sei nicht in Rom, um Beweise vorzulegen, betonte Abune Paulos. «Aber ich bin hier, um zu sagen, was ich selber gesehen
Wer den Wächter zu Gesicht bekommt, darf sich glücklich schätzen.
12 Ausgabe 6/2013


















































































