Nach wenigen Jahren kannte Papagei N’kisi bereits 700 Wörter. Bald drückte er sich in ganzen Sätzen aus. Seltsamerweise plapperte er dabei oft Dinge aus, die er gar nicht wissen konnte. Experimente zeigen nun: N’kisis telepathische Fähigkeiten sind kein Zufall.
Hat der Mensch telepathische Kräfte – oder nicht? Seit Menschengedenken wird über diese Frage gestritten. Dabei ist die Sache für den renommierten britischen Biologen und Buchautor Rupert Sheldrake nach etlichen Experimenten längst klar. Mehr denn je ist er mittlerweile davon überzeugt, dass jeder Mensch telepathische Fähigkeiten besitzt – und dass dieser berühmte «sechste Sinn» auch trainiert werden kann. Sheldrake glaubt, dass so genannte morphogenetische Erinnerungsund Informationsfelder unsere Welt durchdringen und unsichtbar alles und jeden miteinander verbinden.
Besonders interessant: Bei seinen Experimenten zur Telepathie entdeckte Sheldrake, dass Tiere möglicherweise sogar noch ausgeprägtere telepathische Fähigkeiten besitzen als Menschen.
Umfangreiche Tests und Versuche mit verschiedenen Tierarten scheinen dies zu belegen. Aber: Sind es wirklich telepathische Fähigkeiten, die beispielsweise Hunde befähigen, die Heimkehr von Herrchen oder Frauchen im Voraus zu spüren? Solchen und ähnlichen Fragen geht der Biologe seit Jahren nach.
Tierisches Sprachtalent Am meisten beeindruckt ist Sheldrake bis heute von N’kisi. Seine erstaunlichen Versuchsreihen mit dem Vogel hat er in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Journal of Scientific Exploration» veröffentlicht (Vol 17, Issue 4.) Doch kaum ein Journalist scheint sich dafür zu interessieren.
Ziemlich unverständlich, denn der afrikanische Graupapagei N’kisi hatte schon als ganz junges Tier gezielt Sprachunterricht erhalten. Mit dreieinhalb Jahren konnte er bereits knapp 700 Wörter verstehen und gebrauchen. Er war bestens in die Familie seiner Trainerin Aimée Morgana integriert, lernte eine Menge Dinge allein durch Beobachtung und war fähig, sich in ganzen Sätzen auszudrücken. Er gab seine Kommentare ab zu dem, was andere Familienmitglieder gerade taten, er kritisierte ihre Kleidung, und schien gar zu wissen, was sie gerade dachten.
Mit der Zeit war Aimée Morgana überzeugt, dass N’kisi ihre Gedanken lesen konnte. «Ich las gerade den Satz: Je dunkler die Beeren, umso süsser der Saft», erzählt sie. Im gleichen Augenblick krächzte N’kisi: ‹Es heisst schwarz.›» Und solche Beispiele gab es gleich dutzendweise. Am erstaunlichsten aber war, wenn der Papagei Morganas Träume unterbrach: «Ich träumte, ich war im Badezimmer und hatte eine braune Medizinflasche in der Hand. N’kisi weckte mich mit den Worten: ‹Schau mal, das ist eine Flasche.›» Aimée Morgana setzte sich mit Rupert Sheldrake in Verbindung. Zusammen entwarfen die beiden eine Versuchsreihe, um das Phänomen unter kontrollierten Bedingungen zu erforschen.
Die Experimente wurden bei N’kisi zu Hause über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt. Sie bestanden darin, dass Aimée Morgana sich Fotografien von Dingen anschaute, deren Namen zu N’kisis Wortschatz gehörten.
Die Fotos – ausgewählt nach dem Zufallsprinzip – wurden in verschlossene Umschläge gesteckt. Während der Papagei in seinem Käfig im ersten Stock blieb, ging Aimée Morgana mit den versiegelten Umschlägen ins Erdgeschoss, damit jeder Blickkontakt oder versteckte Hinweis ausgeschlossen werden konnten.
Sie öffnete nacheinander die Umschläge und sah sich jedes Bild einige Minuten lang an. Der Papagei – im Stockwerk über ihr – sollte danach sagen, was Aimée auf dem Bild erblickt hatte. Dabei wurden die Trainerin und der Papagei synchron gefilmt. Die beiden Kameras waren 17 Meter voneinander entfernt.
Von 78 Bildern, die sich Aimée angesehen hatte, erzielte N’kisi 32 Treffer – das


