Manchmal ist die Realität spannender als jeder Science-Fiction-Film: 1989 sollen russische Kampfjets in der Wüste von Usturt im Auftrag einer militärischen Spezialeinheit für Naturanomalien und parapsychologische Phänomene fremdartige Kreaturen bombardiert haben. Das behauptet Rolf Meisinger. Von 1988 bis 1990 will der kasachische Auswanderer in besagter Einheit seinen Militärdienst geleistet haben. Dokumente scheinen seine Aussagen zu untermauern.
von Luc Bürgin Existierte in der ehemaligen Sowjetunion eine geheime militärische Einheit, die sich mit der Erfassung und Aufklärung von Naturanomalien und parapsychologischen Phänomenen beschäftigte? Und dies bis in die 90er-Jahre?
Das behauptet zumindest Rolf Meisinger. Und der müsste es eigentlich wissen – schliesslich will er in besagter Einheit seinen Militärdienst absolviert haben.
«Selbst die kühnsten Vorstellungen, was auf unserem Planeten so alles passiert und noch passieren kann, können mit meinen Erlebnissen und Beobachtungen wohl nicht mithalten», ist der 34-Jährige überzeugt, der heute mit seiner Frau in Mannheim lebt und als Kunstmaler arbeitet, nachdem die beiden 1994 aus Kasachstan emigrierten.
Als Zeichner im Einsatz Seinen Dienst in der Spezialeinheit leistete Meisinger zwischen 1988 und 1990 unter der Leitung eines Majors namens Galkin.
«Ich war kein Experte», wehrt er ab.
«Das wurde von einem 18-Jährigen damals auch nicht erwartet. Als Zeichner gehörte zu meinen Pflichten vielmehr die bildliche Dokumentation. Es ist ja kein Geheimnis, dass in Gerichtssälen und bei archäologischen Expeditionen immer noch auf die Dienste von ausgebildeten Zeichnern zurückgegriffen wird.»
Ein Mensch mit einem Stift in der Hand sähe eben ganz andere Perspektiven und Aspekte, die einem Kameraobjektiv oft verwehrt blieben: «Auch wenn Foto und Videogeräte gegenüber 1988 mittlerweile Kreatur in der Wüste von Usturt. Diese und weitere Skizzen will Meisinger während seiner Militärzeit angefertigt haben.
ein weitaus höheres technisches Niveau aufweisen.»
Seine ganze Dienstzeit über führte Meisinger akribisch Tagebuch über die unglaublichen Geschehnisse. Die zwölfjährige Schweigepflicht, zu der er sich damals vertraglich verpflichten musste, ist mittlerweile abgelaufen. Und so ist er nun daran, die Einträge von damals zu überarbeiten und zu einem Buch zusammenzufassen. «mysteries» liegen längere Auszüge daraus vor.
Kunstmaler Rolf Meisinger.
Detailliert beschreibt Meisinger darin, wie seine Einheit allerlei unerklärlichen Dingen nachspürte. Im August 1989 etwa wurde das Team in die von Dauerfrostboden geprägte Tundra beordert. Mitten in der grenzenlosen arktischen Steppe ragte dort der Rumpf eines offenbar völlig unbeschädigten MI-4-Hubschraubers aus dem gefrorenen Boden.
Der Einheit gelang es, einen Teil davon freizulegen. Meisinger: «Passagier- und Laderaum konnten wir öffnen. Drinnen befanden sich die gleichen Schichten von Dauerfrostboden und mehrere Leichen.
Die Körper nahmen alle eine ziemlich entspannte Haltung ein – als hätten sich die Menschen im Augenblick des Todes angenehm unterhalten. So grotesk es auch klingen mag: Der Hubschrauber war eigentlich hermetisch abgeriegelt, die Scheiben waren intakt. Und doch zeichneten sich in seinem Innern Schichten des Dauerfrostbodens ab…»
Die Frage, was ein vollkommen intakter Hubschrauber mit scheinbar «entspannten» Leichen im gefrorenen Boden zu suchen hatte, beschäftigt ihn bis heute.
Noch dazu, weil der Helikopter derart tief im eisigen Untergrund steckte, dass er nur teilweise freigelegt werden konnte.
Oft vergeblich ausgerückt Oft habe man aber auch Phantomen nachgejagt, räumt Meisinger ein. Etwa einem «sibirischen Nessie», das man im April 1989 in der Taiga aufspüren sollte.
«Das Wesen blieb – wie übrigens rund die Hälfte aller unserer Fälle – ein Hirngespinst. Die Bewohner der umliegenden Dörfer wussten scheinbar nichts Besseres, als sich damit ihre Langeweile zu vertreiben. Nach einer Woche eingehendster Untersuchungen, Messungen, Aufnahmen und Analysen hatten wir jedenfalls nicht den geringsten Hinweis auf seine Existenz.»
Umso aufregender dagegen die Konfrontation mit fremdartigen Lebewesen in der Wüstenregion von Usturt zwischen Usbekistan und Kasachstan – die an das Szenario eines Science-Fiction-Films erinnert: Im März 1989 sollte Meisingers Einheit in der lebensfeindlichen Region einen tödlichen Zwischenfall in einer Gruppe von Geologen untersuchen. Dabei stiess das kleine Team auf drei bis vier Meter grosse monsterähnlichen Kreaturen, die bis dato unbekannt waren.
Mit ihrem Aussehen und ihrer Fortbewegungsweise hätten sie stark an Rochen erinnert, erinnert sich Meisinger. «Die Umrisse mancher Körper glichen einem fast perfekten Rhombus. Sie waren flach, mit einer Wölbung in der Mitte, wo sich auch die Augen befanden. Ohne Pupillen.
Dank offensichtlich fehlendem Skelett konnten die Tiere ihre Form verändern, indem sie die Muskelmasse verlagerten. Die raue Haut war an einigen Stellen mit Schleim bedeckt.An den Körperseiten besassen sie kleine, dicke Tentakel, ähnlich wie bei gewissen Seesternen – allerdings ohne Saugnäpfe. Die Maulöffnung befand sich unten, in der Nähe der Körpermitte.»
MIG-Jets angefordert Die schaurigen Kreaturen konnten zwar auf Zelluloid gebannt werden. Allerdings bereiteten sie der Einheit ob ihrer Aggressivität derartige Probleme, dass schliesslich zwei MIG-Kampfjets angefordert werden mussten.
Nach entsprechender Ortung hätten die Piloten das Gebiet flächendeckend bombardiert, erinnert sich Meisinger. «Dabei wurden nicht nur die meisten dieser Tiere vernichtet, sondern auch das Leben unserer Gruppe stark gefährdet.»
Schilderungen, die Skeptiker mit Vorbehalt zur Kenntnis nehmen dürften. Meisinger geht mit derlei Zweifel indes gelassen um. Ungeachtet aller Schwierigkeiten seiner damaligen Emigration aus Kasachstan gelang es ihm nämlich, einige Dokumente nach Deutschland zu schmuggeln.
‹‹ Lagern in den russischen Archiven weitere Dokumente?
Dokumente, die seine Aussagen grundsätzlich untermauern.
Neben Fotos, Zeichnungen und dem Tagebuch aus seiner Militärzeit befindet sich darunter auch eine Art Werdegang-Zeugnis, in dem neben persönlichen Daten grobe Informationen über Zeitraum und Ort der Stationierung festgehalten sind.
«In den Militärarchiven gibt es sicherlich weitere Dokumente, die meine Aussagen bestätigen», ist er überzeugt. «Nur wann und ob ich überhaupt Zugriff darauf haben kann, ist äusserst fraglich. Ausserdem: Wo soll ich denn nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion überhaupt danach suchen?»
Sein Buchmanuskript hat Rolf Meisinger mittlerweile vollendet. Ins Deutsche übersetzt werden die russischen Texte derzeit von seiner Frau Tatjana. Mit ihr hatte er bereits vor einigen Jahren einen kleinen Roman lanciert, über den er heute aber nicht mehr gross sprechen mag. «Das war eine rein fiktive Erzählung, wenngleich darin logischerweise der eine oder andere reale Eindruck meiner Erlebnisse am Rande einfloss. Meine Frau wusste damals noch nichts über die Details meiner militärischen Vergangenheit.»
Dass die Glaubwürdigkeit seines «Outings» unter diesem Erstling leiden könnte, denkt Meisinger nicht. «Ehrlich gesagt, habe ich mich mit diesem Gedanken noch gar nicht auseinander gesetzt.»
Schliesslich liefere er im jetzigen Manuskript seiner überarbeiteten Tagebücher viele detaillierte Fakten, die jedermann bei Bedarf überprüfen könne, um sich dann ein eigenes Bild zu machen.
Verweis auf Heuvelmans «Aufzwingen» wolle er seine Schilderungen sowieso niemandem, betont er.
Und verweist in diesem Zusammenhang auf den berühmten belgischen Kryptozoologen Bernard Heuvelmans: «In einem seiner Bücher wird ein Aborigine erwähnt, der im Gebiet des Viktoria-Sees in Afrika lebte. Dieser Jäger behauptete, mehrmals ein merkwürdiges Tier gesehen zu haben, das seiner Beschreibung nach am ehesten einem Dinosaurier ähnelte.
Als einer der Europäer ihm kategorisch widersprach und meinte, dass es solche Tiere nicht mehr gäbe, meinte der Aborigine: ‹Als Kind war ich überzeugt, dass es keine Autos gibt, weil ich keine gesehen hatte. Jetzt sehe ich sie vor mir. Genau so ist es mit diesem Tier…›» ■








