Vieles deutet darauf hin, dass die Externsteine bis heute weitaus mehr Geheimnisse bergen, als Schulwissenschaftler vermuten. Kaum bekannt sind etwa die geophysikalischen Messungen des Ingenieurs und Schatzsuchers Horst Burger vom »Archäologischen Freundeskreis Lippe« (www.archaeologischer-freundeskreisowl.de). Um 2008/2009 wies er erhöhte Radioaktivität auf dem Felsen Nr. 1 nach. Auch in der Externstein-Grotte, an der Ostwand beim einstigen »Altar« (Bild unten) schlug sein »Gammastrahlen-Detektor« aus und zeigte auffällig hohe Strahlenwerte an.
Seine Untersuchungsergebnisse verarbeitete Horst Burger in einem selbstverlegten Roman (»Der Parzival-Code und die Externsteine«). Wie viel darin ist Fiktion? Wie viel Realität? »mysteries« wollte es genauer wissen – und kam leider zu spät. Wie wir von Familienmitgliedern erfuhren, war der umtriebige Ingenieur wenige Wochen vor unserer geplanten Kontaktaufnahme verstorben.
Laut seinem Forscherkollegen Reinhard Köhne hat Burger seinerzeit »eine spezielle, neuartige Messsonde eingesetzt«. Besagtes Gerät (»GAP 5000«) sei in der Lage, Hohlräume zu orten, aber auch Eisenerzvorkommen, ja sogar Gold unter der Erde zentimetergenau aufzuspüren, in bis zu 50 Metern Tiefe. »Weitere Unterlagen sowie Burgers interessanter Detektor« müssten sich im Nachlass seines Kollegen beÀnden, so Köhne. Aus Pietätsgründen sieht »mysteries« vorläuÀg davon ab, dessen Witwe diesbezüglich zu belästigen.
Bizarre Felsformationen, Grotten aus älterer und neuerer Zeit, Runen, Inschriften und obskure Fratzen. Einer alten Abdinghofer-Urkunde zufolge sollen die Externsteine 1093 vom Paderborner Kloster gekauft worden sein. Da viele der Gebilde kunsthistorisch nicht datiert werden können, bleiben Sinn, Zweck und Alter bis heute umstritten.
guckt seltsamerweise in die Röhre. Wo derzeit was genau liegt, scheint alles andere als klar. Selbst Michael Zelle, Direktor des Landesmuseums, musste auf Anfrage von »mysteries« erst in seine Archive steigen, um sich diesbezüglich schlau zu machen.
»Ich habe soeben in unserem Magazin nachsehen können«, antwortete er am 16. September 2015. »Wir haben hier etwa 42 Kisten, ungefähr in Schuhkarton-Grösse, gefüllt vor allem mit Keramikscherben unterschiedlichster Grösse.« Laut Anne Oelers-Albertin, der Vorsitzenden des Heimatvereins Horn, sind im örtlichen Burgmuseum zumindest 20 bis 40 der Externstein-Fundstücke öffentlich in einer Vitrine ausgestellt – eine Leihgabe des Lippischen Landesmuseums.
Uralte astronomische Beobachtungsstätte Kontrovers bleibt, dass die erwähnten Grabungsarbeiten 1934/1935 unter ideologischer EinÁussnahme von SS-Chef und»Gral-Sucher« Heinrich Himmler durchgeführt wurden. Der künstliche See wurde abgelassen, um den Erdgrund nach alten Relikten abzusuchen. Die Leitung der Ausgrabungen hatte Julius Andree inne, Professor für Urgeschichte an der Universität Halle. Er beschrieb die Funde als germanisch, die Externsteine als germanisches Heiligtum. Doch nicht nur das: Andree postulierte zusätzlich die Existenz einer Hochkultur in Deutschland vor 250'000 (!)
Jahren samt deren Ausbreitung über den ganzen Erdball.
Cornelia Müller-Hisje winkt diesbezüglich ab: »Bereits damals wurden die Funde einer Expertenkommission vorgelegt.
Ausgabe 6/2015 Das Fazit war eindeutig: Die antiken Stücke stammen allesamt aus dem Mittelalter und waren nicht, wie von vielen behauptet, germanisch. Das wurde von der Kommission auch in schriftlicher Form festgehalten.« Tatsächlich konnten Bearbeitungs- und Nutzungsspuren an den Externsteinen durch die Germanen bis zum heutigen Tag nicht nachgewiesen werden. Dennoch bleibt die Felsformation spannend: Der Physiker und Astronom Professor Wolfhard Schlosser von der Ruhr-Universität Bochum fand beispielsweise heraus, dass die Höhenkammer (Felsen Nr. 2) ursprünglich als astronomische Beobachtungsstätte zur Bestimmung der Sommersonnenwende am 21. Juni und des nördlichsten Ausgangspunktes des Mondes gedient haben dürfte. Und dies in der Jungsteinzeit, etwa 5000 vor Christus.
Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte Burkhard Steinrücken, Physiker und Leiter der Westfälischen Volkssternwarte, indem er die rätselhafte, von Menschenhand herausgemeisselte Felsenkammer in knapp 30 Metern Höhe mit dem Laserscanner bis ins kleinste Detail vermessen liess. Resultat: Mit etwas Wissen und Geschick sei an den Externsteinen dank der Steinmetzarbeiten unserer Urahnen die Bestimmung der Tagundnachtgleiche beziehungsweise eine »Präzisionspeilung für Kalenderbeobachtungen« möglich. Journalist Heiko Petermann wiederum weist in seiner Schrift »Die Externsteine« 2011 zudem auf offensichtlich von Menschenhand gebohrte Löcher in Felsen Nr. 5 hin, deren Anordnung frappierend an das Sternbild des Orion erinnert.
Ebenso bemerkenswert sind andere Bearbeitungen an den Sargstein. Seine ursprüngliche Bedeutung bleibt ebenfalls unklar.
Externsteinen, wie etwa das so genannte Kreuzabnahme-Relief.
Laut dem Bildhauer Ulrich Niedhorn sind daran byzantinische EinÁüsse erkennbar. »Der Künstler ist zwar unbekannt, muss jedoch äusserst erfahren und gebildet gewesen sein, denn im Relief steckt eine sehr hohe Wertigkeit«, ergänzt Cornelia Müller-Hisje. Ihr zufolge stammt diese Meisterleistung aus der Epo-Ausgabe 6/2015 21 che der Romanik, ungefähr um das Jahr 1150. »Auf dem Relief sieht man deutlich, wie Nikodemus aktiv mitleidet und Josef von Arimatäa sich darum bemüht, den Leichnam Jesu Christi vom Kreuze zu nehmen. Das Szenario könnte eine Art Predigt an die Sachsen sein, in der es darum geht, die alte Religion hinter sich zu lassen und stattdessen das Christentum anzunehmen. Denn nur über das Kreuz erlange man die Möglichkeit, ein Leben nach dem Tod zu führen und zu Christus zu kommen.« Durch die nach rechts gebogene »Irminsul«, einem Kultzeichen der Sachsen, auf dem Nikodemus steht, werde möglicherweise veranschaulicht, dass die alte Religion der falsche Weg sei, versucht die Externstein-Expertin während ihrer Führung das Relief zu deuten. Andere wie der Kunsthistoriker Volker Ritters sehen darin ein »Einweihungsbild der Templer als Freimaurer-Arbeitstafel«, vermutlich von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553).
Denkbar sind indes auch noch ganz andere Interpretationen, wie Cornelia Müller-Hisje einräumen muss: »Wir haben keine ofÀzielle Überlieferung dazu, kennen weder Auftraggeber noch Künstler. Es gibt nichts Vergleichbares…« Nachdenklich schweift ihr Blick beim örtlichen Infozentrum über die Áanierende Men schenmenge – ein kunterbuntes Gemisch aus Jung und Alt. Ab und zu Áitzen ein paar sportliche Biker vorbei. Zur Walpurgisnacht und Sommersonnenwende fanden hier vor einigen Jahren Wir haben keinerlei Überlieferung, es gibt nichts Vergleichbares.
die grössten esoterischen Treffen Deutschlands statt. Ausgelassene nächtliche Feiern. Nicht immer zur Freude der Verantwortlichen, die zwar Offenheit für alle Gesinnungen zelebrieren, aber auch die Naturschutzzone respektiert sehen wollen, weshalb das Gebiet um die Externsteine zu besagten Terminen für Veranstaltungen mittlerweile gesperrt wird.
Proteste gegen umstrittenes Friedenskunstwerk Hohe Wogen wirft derzeit auch ein Bauprojekt. So möchte der Landrat des Kreises Lippe und die Unternehmung »Lippe Tourismus & Marketing AG« ein Wanderkreuz an den Externsteinen errichten lassen. Konkrete Pläne wurden am 14. August 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese reagierte alles andere als erfreut. Auch der Lippische Heimatbund beschwerte sich zusammen mit dem Heimatverein Horn und der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. über das Projekt.
Letztere verfasste sogar einen öffentlichen Brief an die Abgeordneten der Verbandsversammlung des Landesverbandes Lippe. »Zum ersten Mal seit dem Abbruch des Hotelgebäudes vor 50 Jahren wird nunmehr ein neues Bauwerk mit direkter Sicht auf die Externsteine errichtet, eine Metallkonstruktion von 12 Metern Durchmesser mit einer Holzsäule von 12 Metern Höhe. Dieses überdimensionierte Bauwerk soll auf der unter Naturschutz stehenden Wiese vor den Felsen errichtet werden«, schreibt die Ausgabe 6/2015





































































































