Schottische Gespenster im asiatischen Urwald Britische Gespenster fühlen sich auch in Asien wohl. Das zeigt sich in den malaysischen Cameron Highlands: Ein reicher schottischer Plantagenbesitzer liess dort im letzten Jahrhundert ein bizarres Schloss errichten. Mitten im tropischen Regenwald. Nach seinem Tod begann es in «Kellie’s Castle» plötzlich zu spuken – bis heute.

«mysteries» stattete der Geister-Ruine einen Besuch ab.

Ausgabe 3/11 Phänomene

Das Spukschloss im Regenwald – Abbildung 2
Das Spukschloss im Regenwald – Abbildung 3

Trotz Revolution: Im grössten Pharaonen-Monument wird heimlich weitergeforscht Knapp zehn Jahre musste die Öffentlichkeit darauf warten. Am 29. Mai 2010 kroch ein neuer ferngesteuerter Miniroboter in geheimer Mission durch die mysteriösen Schächte der Königinnenkammer in der Cheopspyramide. Sein Ziel: Die Suche nach der legendären Geheimkammer des Pharaos. In diesen Tagen werden die Ergebnisse endlich offiziell veröffentlicht.

«mysteries» enthült vorab die wichtigsten Erkenntnisse.

s war die Nachricht des Tages. Zahi Hawass (63), Pyramiden-Diktator und Mubarak-Spezi nimmt endlich den EHut. Dies vermeldete die Weltpresse am 7. März 2011: «Hawass wurde als Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung abgelöst. Sein Nachfolger ist Emad Abu Ghazi von der Universität in Kairo.» Bereits einen Tag zuvor bestätigte Hawass auf seiner Webseite, dass er aus freien Stücken abdanke, «weil die Sicherheit unserer Altertümer nicht mehr gewährleistet ist. Nach all den Diebstählen in unseren Museen und Ausgrabungsstätten kann und will ich in diesem Durcheinander nicht mehr wirken.»

Ägyptologen aus ganz Europa spitzten an jenem Tag die Ohren. Denn der Mann mit dem Schlapphut hatte so manche Ausgrabung mit der Peitsche beaufsichtigt. Grabungslizenzen gabs meist nur für regimetreue Ägyptologen. Sponsorengelder versickerten oft im Nirgendwo. Wer dem selbstherrlichen «Pharao» nicht huldigte, war aus dem Rennen. Stattdessen hielt Hawass selber in aller Stille nach den letzten ungelösten Rätseln seiner Vorfahren Ausschau – speziell in der über 4500 Jahre alten Cheopspyramide bei Kairo. Aber auch in und unter der Sphinx, die mit dem Bauwerk unterirdisch verbunden scheint.

Was er dort fand? Vieles. Doch nur weniges teilte der Mann mit der Öffentlichkeit. Und noch weniger davon wurde je sauber dokumentiert. Insofern liess der Rücktritt des ägyptischen Nationalisten niemanden kalt. Denn sein Abgang weckte Hoffnung auf eine liberalere Ausgrabungs- und Informationspraxis.

«Ich würde die momentane Situation mit vorsichtigem Optimismus beurteilen», kommentierte der Ägyptologe Professor Antonio Loprieno, Universitätsrektor von Basel, auf Anfrage von «mysteries» am 29. März 2011. Und weiter: «Die Tatsache, dass jemand aus dem universitären Bereich als Nachfolger von Hawass bestimmt wurde, könnte auf eine künftige engere Verbindung von Universität und Altertümerverwaltung hindeuten.»

Kaum erstaunlich, dass auch weitere europäische Ägyptologen Morgenluft witterten. Ein anderer Fachmann: «Die Pensionierung von Hawass, dem man unter europäischen Ägyptologen immer ziemlich reserviert begegnete, könnte auf gute Zeiten für die Zusammenarbeit hoffen lassen.»

Roboter-Experten verunsichert Wie auf Kohlen sass in jenen turbulenten Wochen im März dagegen Shaun Whitehead – langjähriger Mitarbeiter des Space Research Centre an der Universität Leicester (England). Eng an seiner Seite: Der hochbegabte chinesische Ingenieur und Zahnarzt Dr. TC Ng. Zusammen mit einem internationalen Expertenteam und einem neuen Hightech-Miniroboter sollten sie der Cheopspyramide bis Ende 2011 ihr wohl letztes grosses Rätsel entreissen – auf persönliches Geheiss von Hawass.

Ihr Auftrag: Die endgültige Erkundung der zwei mysteriösen bis zu 60 Meter langen, 20 Zentimeter breiten und hohen «Luftschächte» in der Königinnenkammer. Der eine Gang südlich ausgerichtet, der andere nördlich. An deren Enden: Genial konstruierte «Schatztüren» mit Kupferstiften, auf die sich kein Ägyptologe bis heute einen Reim machen kann.

Aufgespürt hatte die uralten «Minipforten» 1993 der deutsche Ingenieur Rudolf Gantenbrink – ebenfalls mit einem fern- Titelthema Ausgabe 3/11 11 gesteuerten Roboter. Ob eines Missverständnisses gelangte Alle neuen Forschungsresultate blieben bis heute unter seine Entdeckung zu früh in die Presse, worauf Hawass den In-Verschluss. Doch «mysteries» weiss mittlerweile mehr – aus genieur wutentbrannt aus der Pyramide katapultierte, um sich allererster Hand. So konnten Shaun Whitehead und sein Team die Sensation selber unter den Nagel zu reissen.

mit ihrem ferngesteuerten Gefährt 2009/2010 drei erfolgrei- Der Clou: Bis dahin wähnten die Ägyptologen das über 4500 che Expeditionen durch den südlichen Luftschacht in der Che-Jahre alte Riesenbauwerk definitiv erforscht – obwohl darin opspyramide unternehmen: Zwei zu Testzwecken, die dritte – bis heute weder Cheops’ Mumie noch irgendwelche Schätze am 29. Mai 2010 – komplett bis ans Schachtende. Die neuen gefunden wurden. Geschweige denn Hieroglyphen, die den Forschungsresultate sollen dieser Tage in den «Annales du Pharao als Erbauer preisen würden. Arabische Legenden um Service des Antiquités de l'Egypte» veröffentlicht werden. Titel 1400 n. Chr. dagegen erzählen von einer «Geheimkammer» in der Publikation: «First report: Video Survey of the Southern der Pyramide, in welcher «vor der grossen Flut» allerlei Schät-Shaft of the Queen’s Chamber in the Great Pyramid».

ze verstaut worden sein sollen. Darunter «Waffen, die nicht rosten» und «Glas, das sich zusammenfalten lässt, ohne zu «Gantenbrink ist ein grossartiger Mann» zerbrechen», aber auch Prophezeiungen über die Zukunft.

Als treibende Kraft hinter dem ganzen Unternehmen wirkt der- Ein gefundenes Fressen für Hawass! Resultat seiner achtzeit – und das macht ebenfalls neugierig – Farouk El-Baz (73) tägigen Untersuchung samt neuem Videoroboter, deren Ende von der University of Boston. Der bekannte ägyptisch-amerikaim Dezember 2002 live im US-TV übertragen wurde: Hinter den nische Geologe und frühere NASA-Astronautentrainer amtete kleinen Abschlusssteinen mit den Kupferklammern befindet speziell für den chinesischen Zahnarzt und Superingenieur Dr.

sich eine künstlich angelegte Mini-Kammer, zumindest im Ng als «Türöffner» – in seiner Funktion als direkter Berater für Südschacht. Und dahinter womöglich die bislang unbekannte die ägyptische Antikenbehörde. «Ohne El-Baz hätte unsere Ex-Schatzkammer des Pharaos. Was sich darin wohl befinden pedition nie stattfinden können», betont Shaun Whitehead.

mag? Mysteriöse Schriftrollen? Cheops’ Gebeine? Goldschät-Erst durch dessen Empfehlungsbrief sei Hawass auf Dr. Ng und ze? Oder gar ein Relikt aus einer anderen Welt?

ihn aufmerksam geworden.

Besonders brisant: Bis heute unter Verschluss gehalten Ihrem deutschen Vorgänger winden die Beiden ebenfalls wurde damals der Fund zweier «Kristalle» im Südschacht ein Kränzchen: «Eine der allerersten Referenzen, die ich bei der («vermutlich aus moderner Zeit») sowie zwei weitere Objekte, Planung unserer neuen Mission zu Rate zog, waren die umdie mit Hilfe des Rovers geborgen werden konnten. Am Anfang fangreichen Daten auf der Homepage von Rudolf Gantendes Nordschachts wiederum stiess der Roboter nach rund 20 brink», verrät Whitehead. Und auch Dr. Ng ergänzt auf Anfrage Metern ebenfalls auf kuriose Dinge – darunter ein altes Einvon «mysteries»: «Gantenbrink ist ein grossartiger Mann. Leitrittsticket zu den Pyramiden und zur Sphinx! Warum wurde der hat er damals einen taktischen Fehler begangen…»

die Öffentlichkeit damals nicht darüber informiert? Speziell Konkrete Ergebnisse ihrer Schatzsuche durften die Proüber die beiden Kristallobjekte? Spekulieren ist erlaubt.

jektverantwortlichen bei Druckbeginn dieser Ausgabe (Ende Auch Zahi Hawass wollte es genauer wissen. Also liess er April) offiziell noch nicht ausplaudern. «mysteries» aber weiss, Shaun Whitehead und dessen Team ab 2009 mit einem dritten dass der neue Roboter mit seiner Kamera am Ende des Süd-Mini-Roboter weiterforschen. Deckname der neuen Mission: schachts zum zweiten Mal nach 2002 hinter die dortige Türe «Djedi-Projekt». Als Sponsorpartner fungiert die Uni Leeds.

mit den Kupferklammern in den dahinter befindlichen Hohlraum spähte!

Dazu ein Projektinsider: «Sie können sich vorstellen, dass man sich in der ersten Projektphase im Südschacht nicht beeilte, mit dem neuen Gefährt bereits zu bohren, um endlich in die ganz hinten vermutete Geheimkammer vorzudringen. Vielmehr nahm man vorab genauere Messungen und Analysen vor. Sie können sich ebenso ausrechnen, dass man dabei auch die nagelneue, rundum bewegliche Schlangenkamera benutzte – und damit deutlich mehr im 2002 entdeckten Hohlraum filmen konnten als bisher.»

Ebenso stiess das Team bei seinen Filmaufnahmen am Schachtende auf etliche rote und schwarze Markierungen der damaligen Handwerker, die den Experten derzeit noch Rätsel aufgeben.

2010: Das «Djedi-Team» mit Hawass (Mitte). Ganz rechts: Leiter Shaun Whitehead.

Zudem bemerkte man an der linken Sei-Ausgabe 3/11 Titelthema Querschnitt durch die grosse Pyramide: Wo liegt Cheops’ Geheimkammer?

1Königinnen-Kammer: Hier wird derzeit geforscht.

2Steintüre am Ende des Südschachts: Das Unterteil des rechten Stiftes wurde von Hawass’ Team 2002 beschädigt, als man ein Loch für die Kamera bohrte. Das Unterteil des linken Stücks war bereits abgebrochen.

32002 entdeckter Hohlraum: An dessen Hinterwand soll in diesem Jahr endlich gebohrt werden.

4Befindet sich hier die Geheimkammer des Pharaos? 5Ende des Nordschachts, ebenfalls mit zwei Kupferklammern: Befindet sich hier ein zweites Versteck?

6Königskammer: Hier steht der leere Steinsarkophag. 7Grosse Gallerie: Ein Paradies für Touristen.

8Ursprünglicher Eingang in die Cheopspyramide. 9Heutiger Eingang in die Cheopspyramide.

te des Hohlraums eine dunkle zersplitterte Stelle, bei der einst eine «chemische Reaktion» stattgefunden haben dürfte.

Und dann wären da auch noch die Gerüchte über die rechte Kupferklammer am vorderen Abschlussstein des Südschachts.

Warum war der Unterteil dieses uralten Metallstücks nach Hawass’ Expedition von 2002 plötzlich abgebrochen – ohne dass darüber ein Wort verloren wurde? Hatte die US-Firma iRobot gepfuscht, wie «mysteries» seit Jahren vermutet?

Ja – wie unser anonymer Top-Informant klarstellt: «Hawass und alle Involvierten wissen längst, dass das damalige Team mit ihrem Roboter das rechte Kupferstück am Ende des Südschachts irreparabel beschädigte, als sie ihre ‹Impact Echo›- Titelthema Ausgabe 3/11 Schlägt der Fluch des Pharaos erneut zu?

Darf man altägyptischen Herrschern ihre letzten Geheimnisse entreissen? Wie «mysteries» aus verlässlicher Quelle zu Ohren kam, kämpfte auch das «Djedi-Project» in den letzten Monaten mit dem berüchtigten «Fluch der Pharaonen». Kurz vor Weihnachten 2010 verstarb überraschend der kanadische Teammitarbeiter Ron Grieve – jener Forscher, der das Ende des Südschachts in der Tragischer Todesfall. Teammitglied Ron Grieve (3. v. r.) starb Ende 2010.

Cheops-Pyramide wenige Monate zuvor mit seinem Ultraschall-Gerät als erster Mensch der Welt nach weiteren Geheimkammern abklopfte.

Zwei weitere Teammitglieder kämpften in den letzten Monaten ebenfalls mit sehr schweren Erkrankungen. Offiziell Auskunft geben mag darüber derzeit noch niemand.

«mysteries» drückt dem Team jedenfalls beide Daumen – auf dass es seine Mission baldmöglichst ohne weitere gesundheitliche Schicksalsschläge beenden kann.

2010 erfolgreich in der Pyramide unterwegs: Dr. TC Ng aus China mit dem neuen Roboter, am Eingang des Südschachts.

Utensilien benutzten. Sie können sich ausrechnen, dass man während der neuen Untersuchung 2010 mithilfe der Kamera auch nach allfälligen Metallresten am Boden des Schachtes Ausschau hielt. Es scheint so, als ob man fündig geworden wäre.»

Eine weitere, abschliessende Roboter-Expedition soll noch in diesem Jahr stattfinden. Dann würde, wie es heisst, am Ende des Hohlraums im Südschacht womöglich endlich auch gebohrt – um mittels Mini-Kamera einen ersten Blick in die dort vermutete Schatzkammer zu erhaschen. Analog dazu soll 2011 auch das ähnliche «Ende» des Nordschachts entsprechend inspiziert werden.

Die Rückkehr der Mumie: Hawass’ Auferstehung Aber eben: Ohne Hawass geht in Ägypten kaum etwas. Und so versteht es sich von selbst, dass die Verantwortlichen des «Djedi-Project» im März 2011 nach dem Abgang des Pyramiden-Diktators konsterniert Däumchen drehten, weil sie nicht wussten, welcher neue ägyptische Chefbeamte über das weitere Schicksal ihrer grösstenteils selbstfinanzierten (!) Expedition entscheiden würde.

Farouk El-Baz, der amerikanisch-ägyptische «Mentor» des Roboter-Projekts blickte derweil gelassen in die Zukunft. «Es ist völlig normal nach jeder Revolution, dass sich die Dinge in den folgenden Monaten einpendeln müssen», betonte der einflussreiche Strippenzieher in jenen turbulenten Tagen gegenüber «mysteries». «Ich habe bereits mit dem neuen ägyptischen Premierminister Essam Sharaf gesprochen, und er setzt sehr grosses Vertrauen in Dr. Hawass, wie er mir persönlich versicherte!»

Kein Wunder also, dass die Sonne für die «Roboter-Truppe» bereits wenige Tage später wieder aufging. Am 30. März 2011 entpuppte sich der freiwillige Rücktritt von Ägyptens Pyramidenboss nämlich als cleveres Manöver, wie es sonst nur Berlusconi oder Putin erfolgreich zelebrieren: Völlig überraschend vermeldeten Medien in aller Welt an diesem Tag Hawass’ triumphale Rückkehr als Kulturminister – zumindest in die neue Übergangsregierung, die in Ägypten bis Ende 2011 herrschen soll. Wenige Tage später strahlte der Mann mit dem Schlapphut nach einmonatiger Abstinenz denn auch bereits wieder in eine Videokamera und gelobte ebenso pathetisch wie händeringend Besserung: «Ich werde gut sein – zu jedermann!»

Und tatsächlich: Kurz vor Druckbeginn dieses Hefts antwortete Zahi Hawass «mysteries» auch persönlich – zum allerersten Mal überhaupt. «Das Djedi-Projekt wird weitergehen», liess er uns kurz nach seiner Wiedereinsetzung exklusiv wissen.

«Ein konkretes Datum dafür steht noch aus. Aber ich werde das Team und die Universität Leeds bald kontaktieren und ein neues Zeitfenster vereinbaren, damit wir die Arbeiten fortsetzen können – vermutlich irgendwann später in diesem Jahr.»

Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 2
Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 3
Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 4
Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 5
Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 6
Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 7
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Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 10
Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide – Abbildung 11

Physik-Professor prophezeit technologische Revolution

Welche Technologiesprünge erwarten uns? Wovor müssen wir uns fürchten? Worauf dürfen wir uns freuen? Lesen Sie, was unseren Kindern und Enkeln blühen dürfte. Und werfen Sie einen Blick in eine Zukunft, die längst begonnen hat.

enn wir in der Zeit 100 Jahre zurückreisen könnten: Wie würden wir uns unsere Grosseltern um 1900 wahrnehmen? Damals lebte man in bäuerli- Wchen Verhältnissen, das Dasein war hart, und die Lebenserwartung lag bei rund 40 Jahren. Würden unsere Vorfahren Raketen oder Flugzeuge zu Gesicht bekommen, das Fernsehen, Computer mit Internet und so weiter, sie würden uns wohl für Zauberer und Hexer halten.

Und was, wenn uns unsere Nachfahren aus dem Jahr 2100 heute besuchen würden: Wir würden wir sie wahrnehmen? Vermutlich als Götter, die allein durch ihre Willenskraft alles in ihrer Umgebung dominieren und verändern könnten! Sie hätten perfekte, ewig junge Körper. Und sie würden in magischen Vehikeln durch das Universum kreuzen. Einst fürchteten die Menschen ihre Götter – in den kommenden hundert Jahren werden sie selber welche.

Um herauszufinden, wie die Welt in 100 Jahren aussehen könnte, habe ich mit 300 der bekanntesten Wissenschaftler und Technologieexperten dieser Welt Interviews geführt. Was dabei herauskam, ist nicht etwa Science Fiction, denn viele der angesprochenen Erfindungen existieren schon heute bereits als Prototypen – und alle gehorchen ausnahmslos den Gesetzen der uns bekannten Physik.

1. Internet: Jederzeit online – dank speziellen Kontaktlinsen In Zukunft wird es eine Art Kontaktlinsen geben, die uns auf alle Datenströme zugreifen lässt. Ein kurzes Blinzeln, und man ist online, hat Zugang zu allen Verwaltungsund Unterhaltungssystemen, sofort und überall. Sämtliche Filme, Songs oder Informationen aus dem Internet können direkt auf diese Weise angezapft werden. Mit Hilfe dieser Linsen lassen sich auch Gesichter identifizieren und zudem alle mündlichen Aussagen sofort in jede gewünschte Sprache übersetzen – via Untertitel. Touristen beispielsweise werden begeistert sein, wenn sie durch die Ruinen Roms wandern und gleichzeitig in ihren Kontaktlinsen lesen, wie sich das Leben im damaligen Imperium abgespielt hat. Ebenso Künstler oder Architekten: Sie werden durch blosse Handbewegungen Kunstwerke schaffen. Kranke Menschen wiederum können immer und überall ihre Herzfrequenz, ihre Blutwerte oder ihren Insulinspiegel überprüfen.

Ausgabe 3/11 Technik 2. Computer: Telepathisch gesteuert PCs im heutigen Sinn gibt es nicht mehr, ebenso wenig wie Mobiltelefone, Uhren, MP3-Player und ähnliches. Chips, die weniger als einen Penny kosten, sind millionenfach in unserer Umgebung verborgen. Diese Minicomputer werden telepathisch gesteuert. Sie sind in der Lage, die elektrischen Ströme, die das Hirn aussendet, zu entziffern, zu interpretieren und Be-Wie einst die Götter fehle auszuführen. Betritt man einen Raum, setzt man mental das dort installierte System in Gang. Das Aufräumen des werden wir künftig die Welt Arbeitsplatzes, das Brauen einer Tasse Kaffee oder gar das um uns manipulieren. Verschieben schwerer Möbel wird allein durch die Kraft der Gedanken möglich sein. Und wie einst die Götter werden wir die Welt um uns herum manipulieren. Durch Hirnleistung lässt sich beinahe jeder Gegenstand «aus dem Nichts» kreieren – mit Hilfe «programmierbarer Materie».

Möglich machen das Millionen intelligenter, klitzekleiner Computerchips, die sich nach Belieben blitzschnell zu jeder gewünschten Form oder auch zu einem vollendeten physischen Objekt gruppieren. Der berühmte «Replikator» aus dem fiktiven «Star Trek»-Universum lässt grüssen…

3. Fortbewegung: Schwebende Autos mit GPS-Steuerung Die Autos der Zukunft werden führerlos sein, komplett GPS-gesteuert. Sie schweben auf Magnetkissen. Mit Hilfe von supraleitenden Magneten bei Raumtemperatur gleiten sie mühelos dahin – unabhängig von Fahrbahnen mit Dellen und Schlaglöchern.

Staus und Unfälle werden der Vergangenheit angehören, weil ein zentraler Computer den Verkehr auf der Strasse, der Schiene und in der Luft überwacht und steuert. Und das Beste:Viel geringerer Treibstoffverbrauch, weil keine Reibungsverluste mehr entstehen, die heute – glauben Sies oder nicht! – tatsächlich die weltweit grösste Energieverschwendung bilden.

4. Gesundheit: Organspender werden nicht mehr benötigt Die Medizin der Zukunft wird in der Lage sein, «Ersatzteile» für sämtliche kranken Organe herzustellen. Es werden keine Organspender mehr benötigt, und niemand wird mehr an Organversagen sterben. Der heute übliche Arztbesuch fällt weg. Für einen Routine-Checkup ist eine Software zuständig, in der unser komplettes Genom gespeichert ist. Ein Roboter wird in der Lage sein, 95 Prozent aller Krankheiten zu diagnostizieren. Kann er nicht helfen, gibt es immer noch den guten alten Doktor. Bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts wird die Wissenschaft zudem fähig sein, einen ganzen Organismus aufgrund seines Genoms zu konstruieren. Der Fortschritt in der Gen-Technik macht es möglich, innerhalb von Minuten das Genom jeglicher Lebensform zu entziffern. Oder ausgestorbene Arten, wie das Mammut, den Vogel Dodo und sogar den Neandertaler auferstehen zu lassen. Diesbezüglich bestehen aber auch ethische Bedenken: Stellen wir derlei Wesen künftig im Zoo aus oder versuchen wir, sie womöglich gar zu «zivilisieren»?

5. Lebenserwartung: Ewig jung – dank speziellen Cocktails Die Lebensdauer nimmt zu. Der Alterungsprozess wird mittels genetischer und molekularer Manipulation verlangsamt. Der Mensch dürfte beinahe unendlich lange 30 Jahre jung bleiben, weil abgenutzte oder kranke Organe laufend ersetzt werden können. Für einen gesunden Lebensstil sorgen die Gentechnik sowie die Einnahme von Protein- und Enzym-Cocktails. Eltern werden «Designer-Babies» in die Welt setzen. Die entsprechende Gesetzgebung wird sich den Möglichkeiten der Technik anzupassen haben. Und: Diese Kinder werden «übermenschliche» Fähigkeiten haben, stärker, intelligenter und glücklicher sein.

6. Krebs: Chemotherapie? Das war einmal… Molekulare «Smart Bombs» werden in den Blutkreislauf eingeschleust, um mit Nanopartikeln Krebszellen aufzuspüren und sie zu zerstören, viele Jahre, bevor sie zu Technik Professor Michio Kaku: «Physik der Zukunft» Zukunftsforscher Michio Kaku ist Physikprofessor an der City-University in New York und gern gesehener TV-Gast beim «Science Channel».

Sein Buch «Physics of the Future: How Science Will Shape Human Destiny and Our Daily Lives By the Year 2100» ist soeben auf Englisch erschienen, bei Doubleday.

Infos: http://mkaku.org/ einem ernsten Problem werden. Die heutige Chemotherapie dürfte – wie das Ansetzen von Blutegeln oder der Aderlass – als Relikt aus der finsteren Vergangenheit betrachtet werden. Dennoch wird Krebs auch dann nicht heilbar sein. Auch in Zukunft wird es immer noch viel zu mannigfaltige Arten von Krebs geben, die sich zudem laufend verändern, so dass die Krankheit auch in hundert Jahren leider noch existieren wird. Früherkennung und -behandlung dürften jedoch wesentlich erfolgreicher sein als heute.

7.Gesundheitsvorsorge: DNA-Spione im Badezimmer Unsere Badezimmer-Spiegel oder Klo-Brillen werden mit DNA-Sensoren ausgerüstet. Diese sind in der Lage, die von Krebszellen ausgehenden Eiweissstoffe zu identifizieren – zehn Jahre bevor sich ein Tumor in uns bilden kann. Ein Blick in den Spiegel oder ein Gang auf die Toilette ersetzt so einen kompletten medizinischen Check-up im heutigen Sinn. Selbst unsere Kleidungsstücke sind mit Chips versehen, die im Notfall die Ambulanz avisieren und das nächstgelegene Spital über den aktuellen Gesundheitszustand informieren. Niemand wird mehr einsam sterben. Die heutigen, riesigen MRI-Maschinen ersetzt man durch Instrumente in der Grösse eines Mobiltelefons – ähnlich dem medizinischen «Tricorder» aus «Raumschiff Enterprise».

Trotzdem: Krankheiten können nicht ausgerottet werden, weil sie auch im Jahr 2100 schneller mutieren werden als sie jeweils geheilt werden können.

8. Roboter: Emotionale Maschinen als Freund und Helfer Die Roboter-Fertigung dürfte die Bedeutung der heutigen Auto-Industrie erlangen.

Roboter werden überall dort eingesetzt, wo gefährliche oder langweilige Arbeiten zu verrichten sind. Sie werden über Emotionen verfügen, freundlich und hilfsbereit sein.

Einige dieser Maschinen haben wohl ein menschenähnliches Aussehen, andere – in der Grösse von Spinnen oder Insekten – werden kaum wahrnehmbar sein. Sie lassen sich beinahe überall einsetzen, zum Beispiel als Köche, Krankenpfleger, Musiker Trotzdem wird es weiter oder Haustiere. Ebenso wird man sie für niedere oder anspruchsvollere Arbeiten Polizisten, Schriftsteller heranziehen. Und trotzdem wird es weioder Gärtner geben… ter Polizisten, Schriftsteller, Gärtner, Künstler oder Anwälte geben. Warum auch nicht?

9. Reisen ins Weltall: Per Lift zu den Sternen Ein Weltraum-Aufzug wird zahlungsfähige Touristen entlang eines Carbon-Fiber- Kabels tausende von Kilometern ins All befördern. Nanotechnologie macht es möglich.

Raumschiffe, angetrieben mit Hilfe von Antimaterie oder durch Fusionsmotoren, werden unser Sonnensystem verlassen. Möglicherweise wird es gegen Ende des Jahrhunderts bereits Aussenposten auf dem Mars geben. Dennoch wird die Raumfahrt vorwiegend etwas für Astronauten, reiche Abenteurer oder Raumkolonialisten bleiben.

Risiken und Nebenwirkungen Die hoch entwickelte Technik birgt 2100 allerdings auch erhebliche Gefahren: Biologische Kriegsführung, die unkontrollierbare nukleare Ausbreitung, die Erderwärmung, die Überbevölkerung und vieles mehr. Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann er Armut, Krankheit und Unwissenheit bekämpfen, anderseits wendet er sich auch gegen den Menschen, wenn er ausser Kontrolle gerät. Die Erderwärmung dürfte bedrohlich zunehmen, viele Millionen Menschen könnten ob der neuen Roboter-Übermacht ihre Arbeit verlieren, Wirtschaftssysteme kollabieren und Terroristen über immer schrecklichere biologische Waffen verfügen. Eines Tages werden sich besonders üble Geister wohl auch HIV-ähnliche Viren ausdenken, die durch die Luft übertragen werden – und diese im Labor kreieren.

Blick in die Zukunft: Was erwartet uns in 100 Jahren? – Abbildung 2
Blick in die Zukunft: Was erwartet uns in 100 Jahren? – Abbildung 3
Blick in die Zukunft: Was erwartet uns in 100 Jahren? – Abbildung 4

Para-Fans aufgepasst: Nach Jahren kehrt eine schillernde Gestalt nach Deutschland zurück, die mit ihren kontroversen Prognosen, Prophezeiungen und Behauptungen international immer wieder für Schlagzeilen sorgt: Der frühere US-Geheimdienstoffizier und «Psi-Spion» Ed Dames (61). Mitte Oktober spricht er in Bayern über seine Erlebnisse.

«Ich bin kein Prophet – und auch kein Parapsychologe», betont der Mann aus Sacramento (Kalifornien). Dennoch eilt ihm der Ruf voraus, auf mediale Weise verborgenes Wissen der Gegenwart oder der Zukunft «anzapfen» zu können. Nicht ohne Grund: Jahrelang diente Ed Dames als Mitglied des «Remote Viewing»-Trainingsprogrammes bei der US-Armee.

Heute sucht er vor allem nach verschollenen Kindern, Mördern, Goldschätzen – aber auch nach «intradimensionalen Wesen».

Zum ersten Mal seit Jahren hält der kontrovers diskutierte «Psi-Spion» nun wieder einen abendfüllenden Vortrag in Deutschland, am 15./16. Oktober 2011 in Regen bei Passau.

Auf sich aufmerksam gemacht hatte der ehemalige US-Geheimdienstoffizier in Deutschland bereits anfangs der 90er- Jahre. Ed Dames fungierte damals als Vorsteher von PSI-Tech, einer privaten Firma mit Offizieren, die ursprünglich im Dienste der US-Militärs parapsychologische Techniken wie Fernwahrnehmung in der nachrichtendienstlichen Aufklärung einsetzten – mit Erfolg.

Geheimer Auftrag im ersten Golfkrieg

Internationale Schlagzeilen schrieb PSI-Tech speziell 1991, als die Firma auf Bitte von US-Major Karen Hansen die Vereinten Nationen in der Auffindung von B- und C-Waffen des irakischen Diktators Saddam Husseins unterstützte. Nach intensiver «Vertiefung» und Konzentration fertigte das medial begabte Team damals Lageskizzen unterirdischer Waffendepots im Irak an, die den US-Befehlshabern übergeben wurden.

Auch über UFOs weiss Ed Dames jede Menge zu berichten.

So habe er während seiner Dienstzeit von mehreren Fällen erfahren, wo seltsame Flugkörper direkt über Atomwaffenarsenalen manövriert hätten, wie er dem Journalist Michael Hesemann bereits 1993 zu Protokoll gab. Vor wenigen Monaten hat der Major in den USA zudem ein Buch über seine kontroversen Erlebnisse veröffentlicht («Tell Me What You See: Remote Viewing Cases from the World’s Premier Psychic Spy»). In dem 288 Seiten dicken Schmöker behauptet er, sogar das Versteck der Bundeslade zu kennen. «Derzeit befindet sie sich innerhalb einer Höhle neben dem Kloster St.Theodosius, nicht weit von Bethlehem entfernt.»

In den letzten Wochen wurde Ed Dames vor allem von japanischen Journalisten bestürmt. Grund: «Ende 2003 hatte mich ein japanischer TV-Sender gebeten, eine Prognose abzugeben, was mit Tokyo geschehen würde, wenn die Erde wieder stärker beben würde. Meine mediale ‹Fernwahrnehmungsarbeit› ergab damals, dass die Stadt nicht allzu fest darunter leiden würde. Dagegen ‹sah›, spürte und ermittelte ich – und sagte das damals auch – dass etwas viel Schlimmeres geschehen würde. Nämlich, dass ein nuklearer Reaktor beschädigt würde und eine Art ‹Mini-Tschernobyl› verursacht würde…» Aber auch mit Deutschland verbindet den früheren Geheimdienstagenten so manches, wie er «mysteries» verriet: «Die allerersten hier ansässigen ‹Remote Viewer› wurden allesamt von mir persönlich trainiert.

Von 1979 bis 1982 war ich zudem in Nürnberg stationiert, wo ich für die US-Armee als Offizier für taktische elektronische Kriegsführung agierte.» PS: Nähere Details zum Vortrag von Ed Dames finden Sie auf der grossen Kongressanzeige auf Seite 2 dieses Heftes.

Phänomene Ausgabe 3/11

Neue Kuriositäten aus dem offiziellen NASA-Archiv Also doch: Wer sich durch NASA-Akten und Audiodateien der Mondlandungen wühlt, stösst auf immer neue Unstimmigkeiten und zensierte Funkpassagen.

Krochen die Astronauten von Apollo 12 kurz nach der Landung heimlich aus ihrer Fähre? Was hat es mit den «Indianern» auf dem Mond auf sich? Johlten im Weltall Geister um die Wette? Blinken auf dem Mond Signallichter? Und warum nahm Astronaut Conrad seine UFO-Geheimnisse mit ins Grab?

Ausgabe 3/11 Phänomene

Infos: John Michell: «Wer schrieb Shakespeare?», Zweitausendeins Verlag, Frankfurt a.M., 2001, 386 Seiten, 18.40 Euro.

Geschichte

Ausgabe 3/11 – Abbildung 2
Ausgabe 3/11 – Abbildung 3

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Mein Grossvater sass auf des Zaren Schoss und sang ihm Lieder vor.

Von herrschaftlicher Herkunft? Der Immobilienmakler Hermann Alexander Beyeler ist überzeugt, ein direkter Nachfahre des russischen Zaren zu sein. Der endgültige Beweis steht zwar noch aus – doch spricht einiges für die Annahme des Schweizers.

tete private Dokumente. Sein Grossvater, so deuteten diese «Diese Häufung kann kein Zufall sein», ist der Schweizer Schreiben und Papiere immer wieder mirakulös an, stehe in eiüberzeugt. Definitiv bewiesen ist seine kaiserliche Herkunft alnem ganz besonderen Verhältnis zu Alexander III. Beyelers lerdings noch nicht. «Wir haben in einem Labor in Zürich ein- Mutter und weitere ältere Verwandte bestätigten ihm schliessmal eine DNA-Analyse machen lassen – mit Marken von Brielich, was in den Familienpapieren nur umschrieben wurde: fen, die mein Grossvater Franciszek Lisicki versendet hat», Hermann Alexander Beyelers Grossvater sei ein unehelicher erzählt Beyeler. Die Übereinstimmung habe eine «hohe Punkt-Sohn eines Zaren!

zahl» erreicht. Allerdings nicht hoch genug, um die Analyse als beweiskräftig bezeichnen zu können.

Heimliche Geliebte des Zaren Er sei zwar grundsätzlich zu einer wissenschaftlich fun- Alexander III. (1845 bis 1894) war der zweitletzte Zar Russdierten Analyse bereit, betont Beyeler, aber diese würde einen lands und Vater des berühmten Nikolaus II. – den die Bolscheenormen Aufwand bedeuten. «Möglicherweise inklusive der wiken später brutal ermordeten. Er besass in Spala, ganz in der Exhumierung meines Grossvaters.» Und im Prinzip sei es ihm Nähe des Dorfes, aus dem Beyelers Familie stammt, ein Jagd- «auch wurscht», ob seine Abstammung wirklich belegt ist oder schloss. Bei einem seiner Aufenthalte dort habe Alexander III.

nicht, winkt Beyeler im Gespräch mit «mysteries» ab. «Ich eine heimliche Liaison mit Beyelers Urgrossmutter begonnen.

muss und will niemandem etwas beweisen.» Er habe in dieser Dieser Romanze entsprang schliesslich Beyelers Grossvater Hinsicht «keinerlei Ansprüche und Ambitionen – weder politi- Franciszek.

sche noch finanzielle.»

Offiziell hat sich Alexander III. zwar nie zu seinem uneheli- Das darf man Beyeler tatsächlich abnehmen. Immerhin ist chen Sprössling bekannt. «Doch meine älteste Tante berichteder gebürtige Luzerner mittlerweile ein schwerreicher Unterte mir, dass er – wenn er mal wieder in Spala war – meinen nehmer. Er hat sich hochgearbeitet – vom einfachen Lackierer Grossvater Franciszek oft zu sich rief. Und dies, obwohl der Zar in Vaters Werkstatt zum Immobilienmakler.

zu dieser Zeit nur wenige Besuche empfing», so Beyeler. Der «Es ist doch schlicht für jeden schön zu wissen, woher er damals noch kleine Bub habe auf dem Schoss des Zaren sitzen stammt. Und darum geht es auch mir», betont Beyeler. Für ihn und ihm Lieder vorsingen dürfen.

sei es mittlerweile sicher, dass er ein Abkomme der Zarenfami-Vor Jahren beauftragte Beyeler den professionellen Ahnenlie ist – das genüge ihm. Zudem sei eine Verwandtschaft mit forscher Andrzej Slowicki, seine familiäre Vergangenheit weiden alten Herrschern doch geradezu offensichtlich, sagt der ter zu durchleuchten. Bisheriges Resultat der noch immer an- Geschäftsmann. Er zeigt auf die diversen alten Portraits der dauernden Forschungsarbeit: Es gibt zahlreiche Indizien, Zarenfamilie, die vor ihm liegen. Und tatsächlich: Betrachtet Anzeichen und Hinweise darauf, dass Beyeler tatsächlich ein man die Bilder von Alexander III. und Hermann Alexander Beyedirekter Nachfahre des Zaren ist.

ler ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen.

Geschichte Nicht nur aufgrund des dichten Vollbarts, den beide stolz tragen. «Mein Grossvater wiederum ähnelte dem Neffen von Alexander III. – dem Grossfürsten Kirill Vladimirowitsch», sagt Beyeler. Und auch Aussenstehnde seien immer wieder überrascht, wie sehr seine Tochter Paula der Zarentochter Anastasia gleiche.

Seine Ähnlichkeit mit dem alten Herrschergeschlecht habe auf Geschäftsreisen in Russland und der Ukraine schon zu kuriosen Szenen geführt. «Am Flughafen von Moskau kam plötzlich eine ältere Frau auf mich zu und bekreuzigte sich hektisch», erzählt Beyeler. «Und sie flüsterte dabei: Der Zarewitsch ist zurück!» Und in St. Petersburg habe ihm aus dem gleichen Grund eine Rosenverkäuferin aufgeregt sämtliche ihrer Blumen schenken wollen.

Beyeler pflegt heute enge Kontakte zum offiziellen Russland. «Ich gehe in der Botschaft ein und aus und werde dort wie ein Freund empfangen», erzählt er. Man respektiere ihn. Das Thema seiner Herkunft wird allerdings eher diskret behandelt. «Nur im Scherz und mit einem Lachen begrüsst man mich im engen Kreis gelegentlich als ‹der Zarewitsch›.»

Besitzer eines echten Rubens Nach einer kurzen Pause ergänzt Beyeler vielsagend: «Sie können aber sicher sein, dass Russland mehr über meine Herkunft Bescheid weiss als ich selbst. Die haben ganz andere Möglichkeiten, das abzuklären – und werden es garantiert auch schon getan haben.»

Beyeler betätigt sich sowohl in der Schweiz als auch in Osteuropa als Mäzen. Er sponsert Jugendfussballteams, stattete die Suworow-Kadetten mit neuen Instrumenten aus, fördert die junge ukrainische Sopranistin Anna Bratus. Zudem beschickt der Luzerner Kunstausstellungen, denn seine Sammlung birgt wahre Schätze: Unter anderem einen echten Rubens, die «Ceres». Gekauft hatte der Unternehmer das Werk noch als Rubens-Kopie. Doch Gutachter gehen mittlerweile davon aus, dass das Gemälde doch von des Meisters Hand stammt, lange verschollen war – und deshalb unermesslich wertvoll ist.

Auch die Kunstexperten der Eremitage in St. Petersburg sind dieser Auffassung. Das grosse Museum besitzt das berühmte Schwesterbild des Gemäldes. Und Beyeler durfte seine Ceres in dem renommierten Kunsthaus sogar schon ausstellen.

Doch was für den Schweizer Kunstsammler an seinem Rubens-Werk viel aufregender ist als dessen finanzieller Wert: Das Schwesterbild seiner Ceres, das in St. Petersburg ausgestellt ist, hatte Katharina die Grosse (1729 bis 1796) gekauft, die russische Kaiserin. Für Beyeler nicht Zufall, sondern Fügung: «Das Bild habe ich damals aus einem Bauchgefühl heraus erstanden. Ich hatte gespürt, dass es zu mir wollte.»

Noch weitere Kostbarkeiten mit Bezug zur Zarenfamilie seien so in seinen Besitz gelangt. So lüftet Beyeler gegenüber «mysteries» erstmals ein weiteres Geheimnis: Der Schweizer besitzt eine Totenmaske von Alexander III. – seinem Urgrossvater. Nach dem Tod des Zaren seien zwei Gesichtsabdrücke erstellt worden. «In meinem Tresor liegt die Totenmaske mit der Historische Rarität.

Oben die Totenmaske von Alexander III., die heute im Besitz von Beyeler ist. Im Inneren der Kostbarkeit: Der Schriftzug «Alexander III.» und die Unterschrift des Erschaffers, des Bildhauers Michail Anikuschin.

Nummer 2», so Beyeler. Wie er in den Besitz des wertvollen Stückes gekommen ist – dazu will der Sammler nichts sagen.

«Irgendwie finden diese Dinge zu mir» Gegenwärtig prüft der Immobilienmakler zudem den Kauf eines prächtigen Colliers – vermutlich aus dem Besitz von Alexander II. Den exklusiven Halsschmuck liess der Zar wohl zur Hochzeit seiner Tochter Maria Alexandrowna anfertigen. Ein Luzerner Juwelier hat Beyeler das kostbare Stück nun angeboten. «Irgendwie finden diese Dinge alle zu mir», schwärmt Beyeler begeistert. Falls er das Collier erwerben kann, möchte er es in Russland ausstellen. Die Totenmaske seines Urgrossvaters soll einst sogar als Dauerleihgabe in Russland bleiben, kündigt der Unternehmer an.

Ganz generell will Beyeler seine Verbindungen und Projekte mit dem östlichen Nachbarn weiter intensivieren. Nicht nur geschäftlich und kulturell. So beabsichtigt der Schweizer, in der russischen Provinz in Zukunft eine Krankenstation aufzubauen. Das sei er dem russischen Volk angesichts seiner Herkunft schuldig, findet er. «Die Zaren waren schliesslich nicht immer nur Nette.»

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