Karls Mays Inferno – Kriminalpsychologische BiograÀe erich Wulffen
Fast 90 Jahre nach ihrer Niederschrift wird die Karl-May-BiograÀe des Kriminalpsychologen erich Wulff erstmals veröffentlicht. Die im Auftrag des Karl-May-Verlags verfasste Studie war von seiner Witwe stets abgelehnt und boykottiert worden: ende 1931 verbrannte Klara May das Originalmanuskript. zwei Abschriften dieser Analyse der Straftaten des jungen Karl May entgingen jedoch dem Feuertod. Dieser Band dokumentiert die schwierige entstehungsgeschichte mit bislang unbekanntem Archivmaterial und Briefwechseln zwischen Klara May, erich Wulffen und euchar Albrecht Schmid.
Dank dieser – mit wissenschaftlichem Anspruch – verfassten BiograÀe eröffnen sich neue einblicke in das turbulente Leben des erfolgsautors.
Verheimlicht – vertuscht: 2018 gerhard Wisnewski, 14.95 eUR Wo die Liebe hinfliegt Tanja Brandt, 15.00 eUR Hanf heilt Wernard Bruining, 9.95 eUR Die Öffnung des 3. Auges Ulrich Warnke, 28.00 eUR Das große Gerson Buch Charlotte gerson (u.a.), 9.95 eUR Natriumbicarbonat Mark Sircus, 12.00 eUR Ein Lob der Magensäure Jonathan V. Wright (u.a.), 8.95 eUR Warum Gedanken stärker sind … Lissa Rankin, 10.00 eUR 9 Wege in ein krebsfreies Leben Kelly A. Turner, 19.99 eUR Werde übernatürlich Joe Dispenza, 24.95 eUR Ketontherapie Bruce Fife, 19.95 eUR Vorsicht Nährstoffräuber! Suzy Cohen, 9.95 eUR Eiszeit gabriele Krone-Schmalz, 16.95 eUR Finis Germania Rolf Peter Sieferle, 8.50 eUR Noah will nach Hause Sharon guskin, 10.00 eUR
1 2 3 4 Karl-May-Verlag, ISBN 978-3780205612, eUR 29.90 5 Warum Wale Fremdsprachen können Katharina Jakob 6 Unterschätzen wir unsere Mitwesen? Ja, betont ein neues Buch, indem es aufzeigt, zu was Tiere in der Lage sind: Orcas, die die Sprache von Delphinen erlernen, oder Erdhörnchen, die näherkommende Menschen mit ihren PÀf- 7 fen bis hin zur T-Shirt-Farbe beschreiben: Tiere können denken, planen und kommunizieren, Werkzeuge nutzen und für den eigenen gebrauch verändern, 8 Nächstenliebe empÀnden, sich die Zukunft vorstellen – und manche haben sogar ein ich-Bewusstsein. erstaunlich? Aber wahr! ihre eindrucksvollen erzählungen aus der unbekannten Welt der Tiere verbindet die Wissenschafts- 9 journalistin Katharina Jakob stets mit den neuesten Forschungserkenntnissen – verblüffend und unterhaltsam.
10 Heyne, ISBN 978-3453604445, eUR 12.99 11 UFOs über Österreich Mario Rank 12 Die Existenz unidentiÀzierbarer Flugobjekte ist unbestritten. Doch welches geheimnis steckt hinter dem Phänomen, das seit Jahrzehnten für hitzige Diskussionen sorgt? Auch unser nachbarland Österreich bleibt vom Himmels- 13 spuk nicht verschont. Was geschieht unbemerkt über unseren Köpfen? Und wie gehen lokale Medien mit diesem umstrittenen Thema um? Unheimliche 14 Begegnungen und rätselhafte Lichterscheinungen aus alten und neueren zeiten werden in diesem Taschenbuch beschrieben, hinterfragt und analysiert – mal prägnanter, mal umstrittener. Fazit des Autors nach seiner Spurensuche: 15»Übrig bleiben maximal fünf Prozent an ungelösten und gut dokumentierten Fällen. zuviel, um die himmlischen Phänomene einfach zu ignorieren.« Ancient Mail, ISBN 978-3956522376, eUR 18.50 Bestsellerliste basiert auf den Verkaufszahlen des Kopp Fachbuchversands – www.kopp-verlag.de
Ein indischer Paravent im geschichtsträchtigen »Pera Palas«-Hotel von Istanbul lässt Türken bis heute andächtig staunen: Laut seinen Insignien scheint der Mustafa Kemal Atatürk von einem Maharadscha als Geschenk übergebene Teppich das Todesdatum des türkischen Staatsgründers bis auf die Minute genau vorweggenommen zu haben – und dies bereits zwölf Jahre vor dessen Ableben. War Atatürks früher Tod auf schicksalhafte Weise vorherbestimmt?
as haben Mozart, Dante, Napoleon, Ludwig II., Schliemann, Antoine de Saint-Exupéry, Edgar Allen Poe, Wil-Whelm Reich, Marilyn Monroe, John F. Kennedy, Elvis Presley, Michael Jackson, Prinzessin Diana, Falco und viele andere Persönlichkeiten der Weltgeschichte gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts. Sieht man sich jedoch die Ermittlungsakten ihrer ungewöhnlichen Todesumstände genauer an, stösst man auf allerlei Ungereimtheiten.
Ein Schleier des Mysteriösen umhüllt auch den Tod des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk, der sich am 29.
Oktober 1923 zum ersten Präsidenten der Türkischen Republik gekürt hatte. Um den charismatischen »Übervater« ranken sich viele Legenden. Gemäss Insidern war Atatürk (1881–1938) bekennender Freimaurer. Tatsächlich wird er von der Grossloge »Macedonia Resorta et Veritas« in Thessaloniki als Logenbruder genannt.
Ob dies sein politisches Denken beÁügelte, bleibt Spekulation.
Faktum ist, dass Atatürk die religiöse islamische Gesellschaft auf den Kopf stellte. Dabei schreckte der türkische Staatsgründer auch nicht vor Modernisierungen zurück, die bis dahin absolut tabu waren: Er verlegt den Regierungssitz von Istanbul nach Ankara, führt die Einehe ein, verbietet Frauen den Gesichtsschleier, erteilt ihnen das Wahlrecht, verordnet die allgemeine SchulpÁicht, tauscht das arabische Alphabet durch das lateinische, ersetzt die mohammedanische Zeitrechnung durch den Gregorianischen Kalender, wechselt den islamischen Rechtskodex gegen das mitteleuropäische Rechtssystem und verordnet seinem Volk einen neuen säkularen Wertekanon nach westlichem Vorbild.
Ein wirklicher Demokrat war der besessene Erneuerer dennoch nie. Opposition wurde nicht geduldet, politische Gegner mit demonstrativer Härte bekämpft, Religionsschulen und Klöster der Derwische geschlossen sowie Minderheiten wie Kurden und Armenier mit harter Hand unterdrückt. In der Verfassung wurde der Republikgründer als »unsterblicher Führer und unvergleichlicher Held« der Türkei verankert. Paragraf 5816 stellt die »Belei-
Pünktlich um 9.05 Uhr alle türkischen Sirenen.
heulen am 10. November
digung Mustafa Kemals« unter Strafe. An der fast schon religiösen Verehrung, die ihm bis heute in der Türkei entgegengebracht wird, ändert all dies nichts, auch wenn die »kemalistischen« Erben im Zuge der Re-Islamisierung des aktuellen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan einen schweren Stand haben.
Am 10. November 1938, kurz nach 9.05 Uhr, starb der Volksheld im Dolmabahçe-Palast von Istanbul im Alter von 57 Jahren.
Die Todesnachricht versetzte das Land in Schockzustand. Alle Uhren im Palast wurden unverzüglich angehalten. Ewige Ruhe fand er im Mausoleum Anitkabir vor den Toren der Hauptstadt Ankara. Ein Besuch der »Pilgerstätte« gehört zum PÁichttermin für hohe Staatsgäste in der Türkei. Bis heute legen »Kemalisten« an seinem Todestag jeweils pünktlich um 9.05 Uhr eine landesweite Trauerminute ein – allerorts heulen Sirenen auf und ertönen Autohupen.
Was Atatürks Todesfall rätselhaft macht? Eine okkulte Botschaft auf einem indischen Paravent! Der eingerahmte Gebetsteppich wurde dem Politiker bereits zu Lebzeiten geschenkt – zwölf Jahre vor seinem Ableben. Umso kurioser, dass dessen Àligrane Stickerei eine magisch anmutende Prophezeiung zu beinhalten scheint, die mit fast schon unheimlicher Genauigkeit Atatürks Todesdatum vorausnimmt!
Von Mata Hari über Hemingway bis zu Sisi Das übersinnliche Souvenir ist kein Hirngespinst. Das Original wird bis heute im Luxushotel Pera Palas in Istanbul aufbewahrt und kann dort besichtigt werden. Die prunkvolle Herberge aus der Gründerzeit ist berühmt für ihre Gäste: Greta Garbo und die Nackttänzerin Mata Hari gehörten genauso dazu, wie Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi), Weltliterat Ernest Hemingway oder Krimiautorin Agatha Christie. Letztere soll in den 1930er- Jahren im Appartement 411 ihren Bestseller »Mord im Orient-Express« verfasst haben.
Ein einziges Zimmer ist nur in Begleitung zugänglich: Die Atatürk-Suite mit der Nummer 101. Hier logierte der »Vater der Türken« zwischen 1917 und 1937 jeweils, wenn ihn Amtsgeschäfte Ausgabe 2/2018 Blick in die Suite 101. Neben persönlichen Gegenständen von Atatürk befindet sich dort auch der sagenumwobene Gebetsteppich.
in die ehemalige Hauptstadt führten. Das Appartement blieb nachtete damals im Pera Palas und besichtigte auch die legennach seinem Tod mehr oder minder unverändert.
däre Atatürk-Suite, die er mit anschaulichen Worten beschrieb: Als der Autor dieser Zeilen vor einigen Jahren in Istanbul weil-»So mag es hier ausgesehen haben, als der hohe Gast zum te, stand das Luxushotel ganz oben auf seiner Wunschliste, um letzten Mal im Pera Palas logiert hat. Nur die FotograÀen an den herauszuÀnden, was es mit dem übersinnlichen Paravent auf ausgeblichenen Tapetenwänden und die Memorabilien in den sich hat. Stimmt es wirklich, dass Atatürks Todesdatum prophe- Vitrinen sind später hinzugekommen – gestiftet von Atatürks tisch darauf enthalten ist, angefertigt lange vor seinem tatsäch- Lieblingstochter Ülkü und seinem Leibwächter Ridvan Gürari, lichen Ableben? Leider war die Prunkfassade der historischen der nichts, was jemals von seines Herrn Hand berührt worden Lokalität damals mit Gerüsten verkleidet, eine Besichtigung der ist, weggeworfen hat: Atatürks Hut, seine Brille, seine Kaffeetas-Atatürk-Suite nicht möglich.
se, sein Zigarettenetui. Die Buddha-Figur mit der Swastika auf Inzwischen lockt ein journalistidem Bauch jagt vor allem deutschen Gässcher Besuch an den idyllischen Bosten Schrecken ein. Der Hotelangestellte, porus nicht mehr. Wer weiss schon, der die Besucher durch das ›Allerheiligswo man als Reporter derzeit landet, te‹ führt, weiss sie zu beruhigen: Das Hanachdem »Neo-Sultan« Erdogan kritikenkreuz ist keine ErÀndung Adolf Hitlers, sche Journalisten bevorzugt zu »Gärtsondern kommt in Swastika-Form bereits nern des Terrors« erklärt, kriminaliim alten Indien vor.« siert und inhaftiert?
Das Stichwort »Indien« führt zum ei- In den 1990er Jahren war die Welt gentlichen »Corpus delicti«. Es ist eine dort noch eine andere. Damals be- Art Raumteiler, eine so genannte »Spanireiste der österreichische Professor sche Wand«, die eine Ecke des Zimmers Dietmar Grieser die Türkei und hatte schmückt.
Die dunkelblaue Stickerei bei seinen Nachforschungen mehr stammt aus New Delhi und wurde Ata-Glück. Für seinen 1999 erschienenen türk von einem namhaften Verehrer aus Erfolgstitel »Im Dämmerlicht« recher- Indien 1926 als Freundesgabe überreicht chierte der Vielschreiber ungewöhn- – der Überlieferung nach von einem verliche Todesfälle und stolperte dabei mögenden Maharadscha.
auch über die Geschichte mit dem Wie der Bote hiess, bleibt umstritten.
okkulten Gebetsteppich. Grieser über- Bis heute vergöttert: Staatsgründer Atatürk.
Bezeugt ist lediglich, dass der Paravent Ausgabe 2/2018 49 seinerzeit in den Besitz des türkischen Republikgründers gelangte und von ihm erfreut den Museumsverantwortlichen weitergegeben wurde.
»Literaturdetektiv« Dietmar Grieser beäugte das Exponat genauer: »Das aus edlen Hölzern gezimmerte Kleinmöbel ist mit einem zartseidenem Überzug überspannt, den seinerseits ein kunstvolles Arrangement aus Stickereien ziert: Goldfäden und Pailletten. Verbirgt sich hinter den dargestellten Figuren, die sich auf den ersten Blick wie blosses Ornament annehmen, womöglich ein tieferer Sinn? Die Überbringer des Präsents, so wird berichtet, haben jedenfalls nicht versäumt, den Empfänger über die ihm zugedachte Botschaft aufzuklären.« Geheimnisvoller Wink des Schicksals?
Dem aufmerksamen Betrachter offenbaren sich auf dem kostbaren Tuch aus dem Jahr 1926 drei klar erkennbare Elemente.
Darunter exakt zehn Kerzenleuchter, jede Menge Blumenornamente in der Form von Chrysanthemen – den Lieblingsblumen des Herrschers – sowie ganz oben ein eingesticktes Zifferblatt, dessen Zeiger exakt auf 9.07 Uhr stehen – dem Zeitpunkt des kolportierten Hirntodes des Herrschers!
Gemäss fernöstlicher Symbolik enthalten derlei Stickarbeiten mitunter das Sterbedatum eines Menschen. Im Fall von Atatürk sind die Übereinstimmungen durchaus verblüffend – umsomehr, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das türkische Wort für Chrysantemen »kasimpati« lautet, und dasjenige für November »Kasim«. Will heissen: Die zehn Leuchter stehen für den Tag, die Blumen für den Monat und die Uhr zeigt die Todeszeit an.
Das Unheimliche: Exakt am 10. November ist Mustafa Kemal Atatürk gestorben!
Lediglich sein Todesjahr 1938 wurde ausgespart. Allerdings Das Pera Palas. Etliche Prominente waren hier bereits zu Gast.
nur scheinbar, denn erstens sollen grössere und kleinere Blumen und stilisierte Elefanten zusammengezählt weitere prophetische numerische Koinzidenzen offenbaren, wie sich mangels hochauÁösender Fotos leider nur vor Ort eruieren lässt. Zudem ergeben die Ziffern 1 und 9 zusammen 10 – und die Ziffern 3 und 8 zusammen 11. Das passt wiederum zu den zehn Leuchtern und dem symbolisierten elften Monat.
Die verblüffende Bestätigung einer Prophezeiung aus höheren Sphären, einer Parallelwelt oder dem Jenseits? Ein Wink des Schicksals aus Indien, wo viele »Kemalisten« Atatürk ebenfalls als Befreier verehrten? Oder lediglich zufällige Zahlenspielerei?
»Generationen von Kulturhistorikern, Mythenforschern und Parapsychologen haben sich an der Deutung des Paravents die Zähne ausgebissen«, resümierte bereits Grieser: »Umso glücklicher alle diejenigen, die an Hellseherei und Wahrsagerei glauben. Für sie ist die spanische Wand mit den vielen Emblemen der schlagende Beweis dafür, dass ihre Erkenntnisse kein leerer Wahn, ihre Lehren kein Humbug sind.«
Kürzlich veröffentlichte US-Dokumente belegen, wie scheinheilig NATO-Spitzenpolitiker Russland im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung nach 1989 hintergangen haben: Entgegen heutiger Behauptungen stellten westliche Staatschefs Moskau damals sehr wohl in Aussicht, die NATO nicht weiter nach Osten auszudehnen – allerdings nur im persönlichen Gespräch und nicht auf ofÀziellem Staatspapier, wie nun schwarz auf weiss nachgewiesen werden kann.
Zu gutgläubig? Gorbatschow, hier mit US-Präsident Bush.
sprochen worden, dass die NATO sich nicht weiter nach Osten ausdehne, erklären viele Mahner seit Jahren, wenn es darum geht, das aktuell aggressivere Gebaren Moskaus zu erklären.
»Keinen Zoll ostwärts«, werde es für den transatlantischen Militärpakt in Zukunft gehen, habe US-Aussenminister James Baker noch 1990 beteuert. Doch das Gegenteil war der Fall: Ein ganzes Dutzend osteuropäischer Staaten trat dem Bündnis seither bei. US-Panzer stehen inzwischen an den russischen Grenzen, etwa im Baltikum. Ein Szenario, das im Kreml durchaus als Bedrohung empfunden werden kann.
Westliche Machthaber hingegen verweisen gerne darauf, dass es keinerlei schriftliche Abmachungen gebe – es habe sich bei besagten Zitaten nur um »Gedankenspiele« und »Randbemerkungen« gehandelt. Und tatsächlich existiert kein ofÀzieller Russland als Aggressor und Brandstifter – und die NATO als Verteidigungsbündnis, das lediglich reagiert? Noch immer herrscht in der westlichen Öffentlichkeit mehrheitlich diese Meinung vor – spätestens seit der völkerrechtlich umstrittenen Annexion der Krim durch Moskau. Seit geraumer Zeit kristallisiert sich indes heraus, dass dieses oft auch von den Mainstream-Medien vereinfachte Schwarzweiss-Bild nicht länger haltbar ist. Nun erhalten NATO-Kritiker unerwartete Unterstützung – ausgerechnet von amerikanischen Historikern. Denn neue Dokumente enthüllen, dass westliche Staatschefs wesentlich zur Zuspitzung des KonÁikts beitrugen, indem sie wissentlich getrickst und Zusagen gegenüber Moskau nicht eingehalten haben.
Der sowjetischen Führung sei im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung – quasi als Gegenleistung – vom Westen ver- Ausgabe 2/2018 ◄ Damals schien die Welt noch friedlich: US-Präsident George Bush mit Aussenminister James Baker (l.) am runden Tisch in Camp David, zusammen mit Michail Gorbatschow und dessen Aussenminister Eduard Schewardnadse am 2. Juni 1990.
Vertrag, der eine NATO-Ost-Erweiterung verbietet. Ein gravierendes Versäumnis der damaligen sowjetischen Führung um Michail Gorbatschow, dem dies in seiner Heimat bis heute entsprechend angekreidet wird.
Formal hat die NATO zwar nichts falsch gemacht. Ein Affront, wenn nicht gar eine bewusste Täuschung, war die Ost-Erweiterung des Militärbündnisses trotzdem. Denn wie die Politikwissenschaftler Tom Blanton und Svetlana Savranskaya von der George Washington Universität in Washington nun aufzeigen, hatte es sich bei den damaligen Beschwichtigungen in Richtung Kreml bei weitem nicht um belanglose Nebensätze Einzelner gehandelt.
Dem Rivalen im Osten wurde damals klar und wiederholt Verständnis, Rücksichtnahme und Entgegenkommen signalisiert.
So legten die beiden Historiker anlässlich einer Podiumsdiskussion am 10. November 2017 bei der Jahrestagung der Vereinigung für slawische, osteuropäische und eurasische Studien (ASEEES) in Chicago zum Thema »Wer hat was zur Nato-Erweiterung versprochen?« bislang unbekannte Dokumente und Protokolle der US-Regierung offen, die deutlich machen, welche und wie viele hochrangige Staatsvertreter des Westens damals ernsthaft versicherten, die NATO bleibe in Europa, was sie ist.
In den erst jetzt freigegebenen Papieren der damaligen US-Botschaft in Bonn wird unter anderem die berühmte Tutzing-Rede des damaligen Aussenministers Hans Dietrich Genscher vom 31. Januar 1990 zitiert, in welcher er seinen russischen Zuhörern in Aussicht stellt, »Deutschland als Ganzes« werde zwar dem westlichen Bündnis angehören, eine »Ausdehnung des Nato-Territoriums nach Osten, näher an die Grenze der Sowjetunion heran«, sollte hingegen ausgeschlossen sein. Protokolliert sind in den bislang klassiÀzierten US-Regierungsschriften auch Ausführungen von Altkanzler Helmut Kohl in einem Gespräch mit Gorbatschow im Februar 1990: »Wir denken, dass die NATO ihre Sphäre nicht ausweiten sollte, hier muss eine vernünftige Lösung gefunden werden. Ich verstehe die Bedenken der Sowjetunion in diesem Punkt«, lullte der deutsche Staatschef seinen russischen Kollegen bei dieser Gelegenheit ein.
Ähnlich lautende Aussagen zu einer Nicht-Ost-Erweiterung der NATO Ànden sich in den Dokumenten auch von der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher und ihrem Nachfolger John Major, NATO-Generalsekretär Manfred Wörner sowie Frankreichs damaligen Präsidenten François Mitterrand. Die »berühmte Zusicherung« von US-Aussenminister Baker bei seinem Treffen mit Gorbatschow am 9. Februar 1990 sei demnach »Teil einer Kaskade von Versprechen« in diese Richtung gewesen, resümieren die amerikanischen Wissenschaftler in ihrer Publikation. Eingehalten wurden sie leider nicht. Oder undiplomatisch formuliert: Russland – und vor allem Michail Gorbatschow – wurde damals bewusst über den Tisch gezogen! Die Folgen davon bekommen wir bis heute zu spüren.
https://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/12/86-also-doch-so-skrupellos-zog-die-nato-russland-ueber-den-tisc-page55-1.jpg586502Not Surehttps://mysteriesdasoriginal.ch/wp-content/uploads/2025/07/LUC_LOGO-1-1030x258.webpNot Sure2018-02-01 12:00:002025-12-16 10:54:45Also Doch: So Skrupellos Zog Die Nato Russland üBer Den Tisch