Schatzsucher interessieren sich für Thomas Gottschalks ehemaligen Wohnsitz: Im Garten seiner Villa am Ammersee liegt seit Kriegsende offenbar eine Büste vergraben. Darin könnte sich das Vermögen des früheren Hausherrn befinden. Ob Thommy bereits gebuddelt hat?

Wetten, dass man zu einem Schatz im eigenen Garten kommen kann wie die sprichwörtliche «Jungfrau zum Kind»?

Viele träumen von einem Schatz im eigenen Garten: Von Gold, Silber Juwelen, oder zumindest etwas Wertvollem, was sich halbwegs gewinnbringend versilbern lässt. Manche suchen selbst ihr Grundstück ab oder lassen es absuchen.

Nur wenige aber haben leider tatsächlich das Glück, auf ihrem eigenen Grund und Boden fündig zu werden. Noch weniger sind in der geschätzten Lage, wirklich sicher zu wissen, dass unter der Eigentumsscholle ein Schatz im Verborgenen schlummert.

Augenschein vor Ort Auf einem Hügel an der Nordwestseite des Ammersees thront eine schöne alte Villa. Zwischen den dichten Bäumen versteckt, gleicht sie mit ihren Türmchen und Erkern mehr einem kleinen Schloss als einem Haus. Öfter schon bin ich daran vorbeigefahren, wenn mich mein Weg nach Inning führte, am See entlang an den wenigen Häusern von Stegen vorbei, die alte Strasse entlang, die sich in einigen Serpentinen den Berg hinaufwindet.

Hier residierte lange Zeit einer der bekanntesten und beliebtesten deutschen Fernsehmoderatoren, der seit jeher eine Supernase für ausgefallene Exklusivität hat. Vor einigen Jahren zog es blondlockigen Profiquassler schliesslich ins kalifornische Malibu, wo er in den Bergen von

Ein Plakat mit einer Reihe von Wörtern in einer Fremdsprache.

Los Angeles derzeit eine umgebaute Mühle seinen Wahlwohnsitz nennt.

So oft ich dort oben am Ammersee vorbeifuhr, habe ich meine Fahrt verlangsamt und das schöne alte Gebäude bewundert.

Dass aber dort in diesem romantischen Grundstück ein Schatz liegen könnte, daran hätte auch ich nicht einmal im Traum gedacht.

Kurz nachdem mein «Handbuch für Schatzsucher» erschienen war, erhielt ich einen Anruf vom Bayerischen Rundfunk.

Man lud mich ein in die Radio-Show von Deutschlands Sunny-Boy Thomas Gott- ‹‹ Wir kamen überein, den Schatz gemeinsam zu suchen…

schalk zu einer kleinen Plauderei über Schätze und Schatzsucher.

Ich war nicht wenig überrascht, als mir Thommy erzählte, auf seinem Grundstück läge auch ein Schatz. Eine der Vorbesitzerinnen hatte ihm geschrieben: Ihr Mann, so berichtete sie, habe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges eine Bronzebüste Adolf Hitlers im Garten vergraben, in deren Hohlraum er seinen «Blutorden» verborgen hatte.

Demnach scheint jener Herr sich im engsten Dunstkreis des Führers aufgehalten zu haben und hatte wohl noch schnell alle belastenden Reliquien beiseite geschafft. Dabei liegt es durchaus im Rahmen des Möglichen, dass sich noch mehr wertvolle Gegenstände in der Büste befinden.

«Dann wird geteilt!»

Wir kamen überein, dass wir zusammen den Schatz suchen wollten. Danach hörte ich nichts mehr von dem stolzen Schatzbesitzer. Dann aber liess mir Herr Gottschalk über sein Sekretariat per Brief folgendes mitteilen: «…warte ich noch einige Monate damit, bis ein kleiner Umbau im Haus getätigt ist. Falls ich dabei jetzt schon auf Schätze stosse, wird geteilt; wenn nicht, gehen wir wahrscheinlich im Sommer gemeinsam auf die Suche.»

Leider hat der gute Thomas Gottschalk vergessen mitzuteilen, in welchem Jahr dies sein würde, denn seither habe ich nichts mehr von ihm gehört. Dies ist eigentlich schade. Immerhin erbrächte ein solcher Fund wahrscheinlich eine fünfstellige Summe. Für einen guten Zweck gestiftet, hätte der Aufwand wenigstens einen positiven Sinn gehabt.

Mittlerweile residiert Thommys Bruder in der idyllischen Villa. Doch Deutschlands TV-Star Nr.1 hält es offfenbar nicht dauerhaft in den USA.

Jedenfalls räumte er gegenüber «Bild am Sonntag» unlängst ein, sich in Remagen am Rhein bereits nach einer neuen Bleibe umgesehen zu haben. Das dortige Schloss Marienfels scheint es Gottschalk besonders angetan zu haben. Noch sei aber alles offen, betonte er gegenüber der Zeitung.

Letzten Endes ist es sowieso seine persönliche Sache, ob er in seinem alten Garten nach Schätzen graben will oder die Kostbarkeiten dort lieber liegen lässt. Vielleicht hat er ja schon längst gebuddelt.

Gönnen wir Thomas Gottschalk deshalb sein kleines «Schatzgeheimnis». Wetten, dass er es lieber für sich behält?

Reinhold Ostler ■

Er inspirierte Steven Spielberg, Richard Wagner und die grössten Dichter des europäischen Mittelalters: Der Heilige Gral, der Legende nach der Abendmahlskelch Christi. Lange galt er als literarische Fiktion, auf ewig den Blicken der Neugierigen entzogen. Jetzt behauptet der deutsche Bestsellerautor Michael Hesemann: Der Gral ist ein physisches Objekt, ein kostbares Steingefäss – über 2000 Jahre alt. Und: Er will ihn sogar gefunden

haben. von Michael Hesemann

Als ich das erste Mal vom Heiligen Gral hörte, war ich noch ein kleiner Junge.

Zusammen mit meinem Grossvater, der ein begeisterter Wagnerianer war, hörte ich den «Parsifal».

Als Student der Germanistik las ich ein Jahrzehnt später die Vorlage des Komponisten, die deutsche Gralsdichtung, den «Parzival» des Wolfram von Eschenbach.

Leicht amüsiert verfolgte ich die Diskussion, ob der Gral nun ein Symbol für eine geheime Blutlinie, eine ausserirdische Apparatur oder der Wanderstein der Weisen sei; überzeugt hat mich keine dieser Spekulationen.

Erst im Herbst des Jahres 2000 lüfteten sich die Nebel von Avalon. Damals wurde mir der Weg zu jenem ehrwürdigen Kelch gewiesen, der den Dichtern und Komponisten als Vorlage für den Gralsmythos galt.

Von zwei Freunden, denen ich das erste Mal an der vatikanischen Lateran-Universität begegnet war und die mich nach Spanien eingeladen hatten, erfuhr ich von der spanischen Gralstradition. Danach war der historische Gral, der «Santo Caliz», vom heiligen Petrus nach Rom gebracht, dann, während einer Christenverfolgung im Jahre 258, von dem spanischstämmigen Diakon Laurentius in seine Heimat Huesca im Pyrenäenvorland gesandt worden.

Während der maurischen Invasion im 8. Jahrhundert, so behaupteten sie, sei er in den Bergen versteckt worden: In entlegenen Höhlen, versteckten Kapellen, monumentalen Kathedralen und schliesslich in dem ebenso malerischen wie geheim- Blick in den grossen Saal von San Juan de la Pena. Hier soll der Gral einst aufbewahrt worden sein.

nisumwitterten Bergkloster von San Juan de la Pena, dessen Ursprung in sagenhafter Zeit liegt.

Erst 1399, so die beiden Spanier, habe König Martin «el Humano» die Reliquie des Kelches vom Letzten Abendmahl in seine Residenz nach Saragossa geholt.

Von dort kam er über Barcelona nach Valencia, wo er sich seit 1437 befindet. Aber war der noch heute in der Kathedrale der alten Bischofsstadt verehrte Reliquienkelch tatsächlich der historische Gral?

Bestätigung bei Eschenbach Tatsächlich verwies auch Wolfram von Eschenbach auf den spanischen Ursprung der Gralssage. Aus Toledo, so behauptete er, habe der Troubadour Guiot de Provins ihre Vorlage mitgebracht. Für einige Zeit war Guiot, wie er selbst in einer autobiographischen Notiz vermerkte, am Hofe des Königs Alfonso II. von Aragon gewesen, der in Saragossa und Toledo residierte.

Tatsächlich grenzt das «Gralsland» an die Königreiche «Brobarz» (Sobrarbe) und «Katelangen» (Katalonien), im Norden begrenzt vom Bergland der Pyrenäen – ganz wie Aragon. Auch das Wort «Gral» belegt den spanischen Ursprung der Sage.

Nur im Altspanischen und Okzitanischen (der Sprache, die in Aragon gesprochen wurde) hat es eine Bedeutung, steht es für ein «mörserförmiges Trinkgefäss».

‹‹ Auch das Wort ‹Gral› belegt den spanischen Ursprung der Sage.

Der Begriff passt exakt zu der Kelchreliquie von Valencia, einem mörserförmigen Steingefäss. Bei Wolfram ist der Gral nicht nur ein Kelch, sondern auch ein «Stein», was im Mittelalter so viel wie «steinernes Gefäss» bedeuten konnte.

Wenn der deutsche Dichter die Gralsritter als «templeisen» bezeichnete, benutzte er eine nur im Pyrenäenraum geläufige Bezeichnung für die Templer. Der Name des Gralskönigs «Anfortas» geht offenbar auf «Anforts» zurück, die okzitanische Version des spanischen Namens «Alfonso».

In dem spanischen historischen Nationalarchiv in Madrid fand ich die ältesten Hinweise auf die Gralstradition.

Die Chronik des Klosters von San Juan de la Pena zitiert ein Dokument vom 14. Dezember 1134, in dem es heisst: «In einem Elfenbeinschrein befindet sich der Kelch, in dem Christus, Unser Heiland, Sein Blut weihte und den der hl. Laurentius in seine Heimat, nach Huesca, sandte.»

Eine Urkunde vom 12. November 1135 beschreibt die Reliquie als «einen kostbaren Steinkelch und eine ähnliche kostbare Steinschale».

Die erste Gralsdichtung überhaupt, der «Perceval» des Franzosen Chretien de Troyes, wurde um 1180 verfasst. Die spanische Tradition ist also nachweisbar mindestens ein halbes Jahrhundert älter!

Jetzt hielt mich nichts mehr in Madrid. Ich musste nach San Juan de la Pena, um mir selbst ein Bild von dem Ort zu machen, an dem damals der Heilige Gral gehütet und verehrt wurde. Als ich das zu Füssen einer Felswand des «Mons Salvatoris» errichtete Kloster inspizierte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: In allen Details glich es der Gralsburg «Monsalvat» (oder «Monsalvaesche», wie sie auf Okzitanisch hiess) aus dem «Parzival».

Seine Lage in einem «wilden Wald», oberhalb eines Flusses, am Ende einer Felsschlucht; sein quadratischer Turm aus grauem Stein, sein mächtiges Gewölbe, von vier starken Säulen getragen, die Gralskapelle an der Stirnseite dieses Saales, die Taufquelle, der Prozessionsweg hinauf in das Obergeschoss mit seiner Kirche…

In den Klosterchroniken las ich, dass ein König dieses Kloster besonders schätzte und immer wieder beschenkte, sich hierher zur Fastenzeit zurückzog, um Busse zu tun. Dieser König hiess tatsächlich Anforts oder Alfonso I. von Aragon, genannt «el Batellador», der Schlachtenlenker.

Er war der grosse König der frühen spanischen Reconquista, der Rückeroberung des von den Mauren besetzen Landes. Er förderte die Templer, die bei Wolfram «templeisen» heissen, und vererbte ihnen schliesslich sogar ein Drittel seines Reiches.

An seiner Seite kämpfte ein französischer Ritter, Rotrou de Val Perche. War er das Vorbild für Chretiens und Wolframs Perceval/Parzival, den «roten Ritter»?

Alles passt zusammen Plötzlich machte alles einen Sinn: Die Gralssage, der «Parzival», basierte auf historischen Ereignissen des frühen 12.

Jahrhunderts und historischen Persönlichkeiten wie Alfonso «Anforts» I. von Aragon und dem Ritter Perche de Val, spielte an lokalisierbaren Schauplätzen, etwa in jener Klosterburg von San Juan Die historische Gralsburg, das Kloster von San Juan de la Pena.

de la Pena, in der ausgerechnet zum fraglichen Zeitpunkt, nämlich von 1071 bis 1399, eine Reliquie verehrt wurde, die man für den Abendmahlskelch Christi hielt.

Ich war sicher, dass dies alles kein Zufall sein konnte. Umso mehr fieberte ich dem Augenblick entgegen, an dem ich den Gral endlich mit eigenen Augen sehen könnte. Doch erst als ich meine Recherchen abgeschlossen, alle Stationen seiner Odyssee durch das mittelalterliche Spanien aufgesucht hatte, fuhr ich nach Valencia. Dort, in der mächtigen Kathedrale, deren unvollendeter Glockenturm dem heiligen Michael geweiht ist, wird er seit dem Jahre 1437 verehrt.

Ich betrat also das mächtige gotische Gemäuer, hielt mich rechts und fand die «Cappella de Santo Caliz», die Gralskapelle mit ihrem hölzernen Hochaltar. In dessen Zentrum ruht der Kelch, geschützt von Panzerglas, in einem goldenen Reliquiar. Ein zweihenkliger Kelchfuss, über und über mit Perlen und Edelsteinen besetzt, verbindet einen Achatbecher mit einer Onyxschale, die eigentlichen Reliquien. Waren sie das Trinkgefäss und die Brotschale, mit denen Jesus von Nazareth im Jahre 30 das Letzte Abendmahl zelebrierte?

Sicher ist: Der Steinkelch ist ein antikes Trinkgefäss, stammt aus der hellenistischen Epoche (2. bis 1. Jahrhundert v.

Chr.) und wurde wahrscheinlich in Antiochia, der damaligen Hauptstadt Syriens (heute:Antakya in der Türkei) angefertigt. Im Britischen Museum in London finden wir eine ganze Reihe ähnlicher Trinkgefässe aus dieser Zeit und Region. Ware aus Antiochia war in Jerusalem sehr beliebt. Für das Sedermahl am Passahfest bevorzugten strenggläubige Juden Steingefässe; denn nur Stein galt als «kosher», als kultisch rein. Ton war zu porös, konnte Verunreinigungen in sich tragen, Silber aus eingeschmolzenen Münzen mit den Abbildern heidnischer Götter stammen.

Niemand wird je mit Sicherheit sagen können, dass dieses Gefäss tatsächlich der Kelch war, mit dem Jesus von Nazareth das Sakrament der Eucharistie stiftete. Aber es spricht auch nichts dagegen.

Geradezu auffällig dagegen entspricht es den Schilderungen des Grals. Chretien de Troyes, der Verfasser des altfranzösischen «Perceval», beschreibt den goldenen, edelsteinbesetzten Goldfuss, der die beiden Steingefässe miteinander verbin- Über den Autor Die geheimnisvolle Inschrift am Fuss des Kelches. Sie ist nur unter bestimmten Lichtverhältnissen erkennbar.

det, erwähnt die «strahlende Helligkeit» und den «Glanz» des Grals, der heller leuchtete als jede Kerze.

Als ich im April 2004 mit einem Fernsehteam des ORF nach Valencia kam, erlebte ich einen ähnlichen Effekt. Eigens für uns holte der Hüter des Grals, der Domherr Don Jaime Sancho, das Reliquiar mit dem Kelch aus seinem Schrein, was uns ermöglichte, das kostbare Stück aus nächster Nähe zu filmen – und zu studieren.

Dabei experimentierte ich mit einem der Scheinwerfer meines Filmteams und strahlte die Gralsschale direkt an. Wie durch ein Wunder schien es, als bestünde der Stein aus zum Himmel lodernden Flammen!

Und die Inschrift?

Verzweifelt suchte ich nach einer in den Gralsfuss gravierten Inschrift, von der ich in der Veröffentlichung des spanischen Archäologen Antonio Beltran von der Universität Saragossa gelesen hatte.

Beltran hatte von 1958 bis 1960 im Auftrag des Erzbischofs von Valencia den Santo Caliz untersucht und stilkundlich datiert. Dabei waren ihm Schriftzeichen in Kufisch (Altarabisch) aufgefallen, die nur unter besonderen Lichtverhältnissen erkennbar waren.

Nach einiger Zeit hatte auch ich die Inschrift mit Hilfe des Kamerascheinwerfers entdeckt. Der deutsche Arabist Professor Hans-Wilhelm Schäfer las sie als «Al-Labsit As-Silis». Um die Bedeutung streiten sich die Experten, lesen sie abwechselnd als «der Strahlende», «der Barmherzige» oder «die Blühende».

Auch Wolfram von Eschenbach erwähnte eine geheimnisvolle Inschrift, die von Zeit zu Zeit auf dem Gral erschien: «Auf der Oberseite des Steines erscheint eine Inschrift aus Schriftzeichen… sobald man sie gelesen hat, verschwindet sie von selbst vor den Augen».

Weiter behauptete er vom Gral: «Er heisst LAPSIT EXILLIS.»

Wolfram selbst deutete dies als das Lateinische «lapis ex stellis», «Stein von den Sternen» und erfand eine Legende, der zufolge Engel den Gralsstein zur Erde brachten.

Die Gralsritter dagegen benutzten die Inschrift als Orakel, um den neuen Gralshüter zu bestimmen. Einmal wurde die Prinzessin Florie zur Gralshüterin gewählt, weil man ihre Zeichen als «die Blühende» las, ein anderes Mal wartete man auf «den Barmherzigen», einen Ritter, der Mitleid für den siechen Gralskönig zeigen würde.

Parzival bestand schliesslich diese Prüfung. Dieses letzte Detail, diese frappierende Übereinstimmung nahm mir den letzten Zweifel, dass der Dichter tatsächlich die Reliquie von Valencia beschrieb: Der Santo Caliz ist der Heilige Gral!

Ein schwarz-weißes Foto eines Gebäudes in einem bergaufgelegenen Gebiet.
Ein schwarz-weißes Foto einer Krone mit Perlen darauf.

«Der Untergang» konfrontiert im Kino derzeit ein Millionenpublikum mit dem Menschen Adolf Hitler. In einem Interview, das Schauspieler Bruno Ganz dem Nachrichtenmagazin «Focus» gab, versuchte der Schauspieler vergebens die rätselhafte Psyche des Monstrums auszuloten. Zuletzt blieb die Ahnung: «Das streift manchmal religiöse Bereiche, was da passiert ist…» Bruno Ganz weist in die richtige Richtung. Höchste Zeit, das Phänomen Hitler anders zu lesen – nämlich «religiös», meint Michael Hesemann. In seinem neuen Buch «Hitlers Religion» (Pattloch Verlag) vertritt er die These, dass die letzten Handlungsmotive Hitlers religiöser Natur waren und dass es sich bei der Weltanschauung des Führers in jeder Hinsicht um eine «Religion» handelt, denn sie erfülle alle Kriterien, die eine religionssoziologische Betrachtungsweise an eine «Religion» stellt – freilich eine menschenverachtende, zynische und destruktive.

«NSDAP war eine Sekte» Die These des Buches lautet: Die NSDAP war eine Sekte – und Hitler ihr selbst ernannter Messias. Hitlers Verbrechen wurden öffentlich mit einer nicht mehr hinterfragbaren Begründung, nämlich im Namen der «Vorsehung», gewissermassen im Auftrag Gottes, in Szene gesetzt.

Nur als Religion, als religiöse Heilslehre mit fatalen Folgen, kann der Nationalsozialismus laut Hesemann wirklich verstanden werden. Nur in diesem Kontext wurde der Holocaust möglich, wurden ganz normale Deutsche zu den bestialischen Mördern von Millionen Unschuldiger. Nur wenn die Juden, «das Volk eines anderen Gottes» (Hitler) vernichtet würden, könnten die Deutschen, das «auserwählte Volk» der nationalsozialistischen Eschatologie, erlöst werden. Wie Moses den Israeliten das gelobte Land verhiess, so versprach Hitler, die Deutschen in ein tausendjähriges Friedensreich zu führen, in ein gelobtes Land, das vom Atlantik bis zum Ural reichen würde. Hesemann: «Die politische Religion des Nationalsozialismus mit seinen Prozessionen, Feldgottesdiensten und dem Messiaskult um Hitler war keine raffinierte, zynische Inszenierung. Es ging ihm um eine neue religiöse Vision und eben erst in diesem Horizont auch um die pure, nackte Macht, die zu erlangen ihm jeder Theatertrick recht war.»

Die NS-Religion war keine Erfindung von Hitler oder Goebbels. Sie war laut Hesemann auch kein Derivat der Christentumsgeschichte und seiner antijudaistischen Ausfälle, wie Daniel Jonah Goldhagen in «Hitlers willige Vollstrecker» und «Die katholische Kirche und der Holocaust» behauptet.

«Im Gegenteil, es war eine Lehre, die sich von Anfang an als Antithese und polemischer Gegenentwurf zum Christentum verstand. In der Theorie existierte sie bereits im 19. Jahrhundert, nannte sich Ariosophie und war ein Ableger der Theosophie, aus der übrigens auch die moderne Esoterik hervorging.

Ideengeschichtlich liegen ihre Wurzeln in der Spätantike, in der Gnosis und im Manichäismus, einer pseudochristlichen Strömung, deren Anhänger den Schöpfergott für den Satan und die Juden für sein Volk hielten, die Erlösung in einem Lichtreich anstrebten und den Tod liebten.»

Hoffen auf den Erlöser Hitlers 1945 von den Amerikanern auf dem Obersalzberg entdeckte Bibliothek beweist sein nachhaltiges Interesse an esoterischen Spekulationen.

Schon in seiner Wiener Zeit kam er nachweisbar mit den Vertretern dieser Lehren in Kontakt. Seine einzige «Leistung» war, sie zur Grundlage eines Parteiprogramms zu machen – und dieses nach der Machtergreifung rigoros in Politik umzusetzen.

Hesemann: «Hitler erst möglich gemacht haben nicht zuletzt die innere Entwurzelung vieler Menschen, die daraus resultierende kollektive Glaubenskrise nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und die Flucht vieler Menschen in pseudoreligiöse Heilslehren sowie die Sehnsucht nach Erlösung in Gestalt eines starken Mannes – was letztlich auch nur ein anderes Wort für Messias ist.»

Hitlers Religion von Michael Hessemann

Wussten Sie, dass im römischen Sklaven-Epos «Gladiator» ein Mann in Jeans durchs Bild stolpert – und das erst noch in Grossaufnahme?

Immer wieder leisten sich die Dirigenten der Leinwand in ihren Kassenschlagern drollige Fehltritte: Da kurven Autos durchs Bild, obwohl sich Ritter duellieren. Steine hüpfen wie Gummibälle durch die Gegend. Und hie und da entdeckt man sogar den Kameramann im Spiegel.

Alan Smithee dokumentiert Hollywoods witzigste Filmfehler. Und davon gibt es jede Menge: Wer dem Monsteraffen King Kong genau auf den Bauch schielt, entdeckt dort die Naht, die sein Kostüm zusammenhält. Wenn Captain Kirk in «Star Trek – Der Film» ins All schwebt, rutscht die gesamte Bühnenkonstruktion ins Bild – samt Gestänge, Treppen und Scheinwerfer. Und im ersten «Star Wars»- Spektakel donnert ein Statist versehentlich in die Kulissen, noch dazu mit voller Wucht.

Jedermann kanns überprüfen.

Lesen Sie nach, welche Missgeschicke Meisterregisseuren wie Steven Spielberg oder George Lucas unterliefen – und schmunzeln Sie mit.

«Filmfehler: Hollywoods peinlichste Leinwandpatzer», 112 Seiten, 9.90 EUR / 17.– Sfr., ISBN 3-8334-1755-2. Bestellungen: www.amazon.de oder direkt über: «mysteries», Postfach, CH 4002 Basel E-Mail: mysteries@bluewin.ch

Ein schwarz-weißes Foto einer Stadt mit vielen hohen Gebäuden.

Der Mann kennt keinen Hunger. Nach eigenen Angaben lebt er seit 65 Jahren ohne Nahrung. Indische Ärzte wollten es genauer wissen und behielten ihn deswegen zehn Tage im Spital – unter strengster Bewachung. Und tatsächlich: Yogi Prahlad Jani nahm in dieser Zeit weder Wasser noch Nahrung zu sich. Und er schied auch nichts aus. Eine Zeitungsente? Nein, stellen die Ärzte jetzt klar. Exklusiv überliessen sie «mysteries» sämtliche medizinischen Untersuchungsergebnisse.

von Luc Bürgin Die Meldung ging um die Welt. CNN, BBC und zahlreiche andere Medien griffen sie im November 2003 von den «Hindustan News» auf: Ein 76-jähriger indischer Fakir, so meldeten sie, hätte seit 65 Jahre nichts mehr gegessen und getrunken.

Die Ärzte des Krankenhauses, in dem Prahlad Jani untersucht worden sei, hätten keine Erklärung für das Phänomen. Möglicherweise handle es sich «um etwas Göttliches».

Der zerbrechliche wirkende, rot gekleidete Mann mit seinem weissen langen Bart gab den Ärzten jede Menge Rätsel auf. «Er hat seit zehn Tagen weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich genommen und weder Urin noch Stuhl ausgeschieden», zitierte etwa «Spiegel Online» die Aussagen der indischen Mediziner. Und fügte hinzu: «Während des Krankenhausaufenthalts sei Jani per Videokamera überwacht worden.»

«Loch im Gaumen»?

Jani, der normalerweise in einer Höhle im westindischen Bundesstaat Gujarat lebe, führe seine Fähigkeit auf eine Gabe der Göttin Amba Mati zurück, berichtete das Blatt weiter. «Er behauptet, eine seit seinem achten Lebensjahr aus einem Loch im Gaumen strömende Flüssigkeit ersetze Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.»

Ein medizinisches Wunder? Oder nur eine Zeitungsente? Seltsamerweise machte sich kaum ein Journalist die Mühe, die Story nachzurecherchieren. Alle kauten sie nach, was ihnen indische Medien vor- Prahlad Jani im Spital von Ahmedabad. Über zwanzig Ärzte waren in die medizinische Untersuchung involviert.

gesetzt hatten. Kein Wunder, nahm die Story hierzulande denn auch niemand so recht ernst.

Zu Unrecht, wie Recherchen von «mysteries» zeigen. So wurde Prahlad Jani nicht irgendwo untersucht – sondern im Sterling Hospital von Ahmedabad. Einem der modernsten Krankenhäuser Indiens, das westlichen Institutionen in nichts nachsteht.

Geleitet wurde die Untersuchung vom Neurophysiologen Dr. Sudhir Shah. Zwanzig weitere Ärzte waren involviert. Darunter unter anderen Urologen, Radiologen, Kardiologen, Psychiater oder Endokrinologen.

«Der Fall ist in der Tat aussergewöhnlich», bestätigt Sudhir Shah gegenüber «mysteries».

Einem strengen wissenschaftlichen Protokoll folgend habe man Prahlad Jani zehn Tage lang rund um die Uhr beobachtet – vom 13. November bis am 22. November 2003.

Während dieser Zeitspanne durfte der Fakir sein Zimmer nicht verlassen. Die Toilette blieb verriegelt. Videokameras ‹‹ Jedes Detail wurde von den Ärzten minutiös protokolliert.

und eine Glastüre erlaubten den Ärzten, den Fakir Tag und Nacht im Auge zu behalten. Zusätzlich hielt sich regelmässig ein Arzt in seinem Zimmer auf. Jedes Detail wurde dabei minutiös protokolliert.

Selbst die Videobänder wurden anschliessend alle erneut examiniert. Damit liess sich sicherstellen, dass der Inder auch tatsächlich weder Nahrung noch Wasser zu sich nahm.

Jani verliess sein Zimmer während der ganzen Prozedur nur zweimal: Einmal zur Blasen-Sonographie und einmal für das MRI. Aber selbst dabei behielten die Mediziner jede seiner Bewegungen im Auge.

Zuvor hatte der Inder allen möglichen Tests zugestimmt. Einzige Bedingung: Man dürfe ihm keinerlei Substanzen zuführen oder Instrumente einführen.

In der Folge wurden alle nur denkbaren Untersuchungen an Janis Körper vorgenommen. Puls, Blutdruck, Hormonund Blutwerte wurden täglich gemessen und entsprechend protokolliert. Alle Werte lagen im normalen Bereich. Auffallend waren lediglich leichte Einbussen beim Hörvermögen sowie der durchgehend niedrige Puls von 42 bis 46 Schlägen pro Minute.

Zweimal täglich nahmen die Ärzte via Ultraschall ausserdem Janis Blase unter die Lupe. Seltsamerweise massen sie dabei regelmässig die Bildung von Urin, der sich aber wie von Geisterhand wieder zu verflüchtigen schien, ohne dass er ausgeschieden wurde – «als ob er von der Blasenwand wieder reabsorbiert worden wäre», wie Sudhir Shah protokollierte.

Um sich die Zähne zu putzen, erhielt Prahlad Jani täglich 100 Milliliter Wasser, die er anschliessend zu Messzwecken wieder ausspucken musste – um sicherzustellen, dass er tatsächlich keinen Tropfen trank. Das Baden wurde ihm ebenfalls verwehrt.

Als man ihn nach zehn Tage wieder in die «Freiheit» entliess, schien sich der Inder immer noch pudelwohl zu fühlen. Zurück blieb ein völlig perplexes Ärzteteam, das sich keinen Reim auf den Mann machen konnte.

Sudhir Shah: «Als Leiter der Untersuchung kann ich versichern, dass das wissenschaftliche Protokoll zu hundert Prozent eingehalten werden konnte. Herr Jani hat während dieser Zeit keinen einzigen Bissen gegessen, keinen Schluck getrunken und weder Stuhl noch Urin ausgeschieden. Wir haben keinerlei wissenschaftliche Erklärung dafür.»

Doch Shah wäre kein Wissenschaftler, wenn er derartige Aussagen nicht relativieren würde. Gesicherte Aussagen könne er lediglich für die Dauer der Untersuchung im Spital machen, betont er. «Ob Prahlad Jani tatsächlich seit Jahren ohne Nahrung und Wasser lebt, wie behauptet, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.»

Kritische Fragen Westliche Schulmediziner dürften dennoch Zweifel anmelden: Könnte es nicht sein, dass Prahlad Jani die Ärzte einfach clever austrickste? So könnte der Mann seinen Urin ja beispielsweise tröpfchenweise ausgeschieden haben. Ein Umstand, den natürlich auch Sudhir Shah in Erwägung zog. «Selbstverständlich haben wir seine Kleider regelmässig entsprechend untersuchen lassen», winkt er ab. «Ohne Erfolg.»

Fragen werfen zudem die Gewichtsschwankungen auf, welche die Ärzte protokollieren konnten. So verlor der indische Fakir während den ersten sieben Tagen der Untersuchung rund 3,5 Kilogramm, nahm dann aber wieder rund 1,5 Kilogramm zu. Hatte er heimlich doch Wasser getrunken?

Psychiater Jakob Bösch: «So erlebte ich meine dreiwöchige Fastenzeit» Die Ärzte schliessen dies kategorisch aus. Umso mehr, als sie das grösste Rätsel sowieso in Janis Gaumen vermuten. So behauptet der Fakir, eine seit seinem achten Lebensjahr aus einem Loch im Gaumen strömende Flüssigkeit ersetze Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.

«Wir versuchten, das Loch ausfindig zu machen und zu fotografieren, was uns aber nicht gelang», räumt Sudhir Shah auf Nachfrage von «mysteries» ein. «Allerdings stiessen wir dort tatsächlich auf eine dickflüssige Substanz oder Flüssigkeit, die wir uns nicht erklären konnten.»

Zusätzliche Untersuchungen seien auf alle Fälle vonnöten. Zwar hätte man den Wundermann gerne noch länger examiniert, den Versuch aus medizinisch-ethischen Gründen aber auf zehn Tage begrenzen müssen.

Shah: «Weitere Aufschlüsse könnten vermutlich invasive Untersuchungen bringen, allerdings verbat sich Prahlad Jani diese ausdrücklich, ebenso wie jedwelche Injektion. Er bestand darauf, dass nichts in seinen Körper eingeführt würde.»

45 Jahre nicht gesprochen Sicher ist, dass der indische Fakir noch nie ernsthaft krank war und sich nach wie vor bester Gesundheit erfreut. Kraft schöpft er aus täglichen Meditationen. 45 Jahre lang habe er zudem nicht gesprochen, wie er versichert. Bereits 1942 war er im Jaslok-Spital unter Aufsicht von Ärzten und Polizisten 45 Tage lang untersucht worden.

Die neuerliche Untersuchung im Spital von Amehdabad sorgt nun für neues Interesse am indischen «Wundermann».

Seine Anhängerschaft wächst: Immer mehr suchen bei ihm mittlerweile Rat und Hilfe. Die indischen Ärzte bereiten derweil eine wissenschaftliche Publikation über den aussergewöhnlichen Fakir vor.

Wie ernst sie im Westen genommen wird, bleibt abzuwarten. Wer glaubt hierzulande schon an Wunder?

Ein Mann mit einem langen Bart und einem weißen Bart.
Ein Mann mit Brillen schaut auf die Kamera.

Die Wirtschaft darbt. Der Terrorismus boomt. Und die Mächtigen horten, was übrig bleibt. Stärker denn je wurden wir 2004 von Kräften manipuliert, deren Profitgier keine Grenzen kennt. Angst macht sich breit. Zur Freude der Machtapparate. Denn wer Angst hat, denkt nicht. Zumindest nicht laut.

Bereits macht ein neues Schimpfwort die Runde: Als «Verschwörungstheoretiker» wird tituliert, wer nicht alles schluckt, was ihm vorgesetzt wird. Und das sind nicht wenige. Den Einheitsbrei haben sie satt. Zu offensichtlich, dass im Gesundheitswesen vieles schief läuft. Zu offensichtlich, dass uns Politiker immer dreister anlügen. Zu offensichtlich, dass die Medien zunehmend instrumentalisiert werden. Zu offensichtlich, dass der Wissenschaftsbetrieb längst zu einer profitorientierten Firma verkommen ist.

Welche Macht allein Wirtschaftslobbies mittlerweile geniessen, sehen wir täglich auf unseren Strassen. Obwohl längst technisch ausgereifte Autos existieren, die mit Wasser, Rapsöl oder Druckluft betrieben werden, mag sie kein Grosskonzern produzieren. Tatsache aber ist: Bereits in 50 Jahren werden Öl und Erdgas vom Erdball verschwinden – weil die Vorkommen erschöpft sind.

Die weltweite Profitgier verhindert mehr Durchbrüche als sie generiert. Ob alternative Heilmittel, umweltfreundliche Materialien oder revolutionäre technologische Erfindungen: Zu viel bleibt auf der Strecke, weil es zu wenig Profit verspricht. Oder aber etablierte Konzernprodukte bedroht. Wirkliche Innovationen bleiben oft den Kleinen vorbehalten, denen es aber meist am Geld fehlt, um markgerecht zu produzieren.

Ähnlich im Bereich der Wissenschaft: Finanziell gefördert wird oft nur noch, was Erfolg – und damit Profit – verspricht. Dass grenzwissenschaftliche Phänomene und Entdeckungen dabei auf der Strecke bleiben, ist klar.

Dabei ist es doch gerade das Kontroverse, das Geheimnisvolle, das uns in Atem hält. Wenn wir es nicht mehr ergründen, geht uns irgendwann die Luft aus. Insofern gilt es weiterzuforschen.

Ohne Rücksicht auf Lehrmeinungen oder wirtschaftspolitische Interessen. Bis das letzte Fragezeichen sein Geheimnis preisgibt.

Ein Fakir, der nichts isst – ein Agrar-Rebell, der Pflanzen spriessen lässt, wo nichts wächst und eine geheime Kammer in einem Bauwerk, das angeblich keine Rätsel mehr birgt: Auch in dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen wieder jede Menge Dinge, die es offiziell nicht geben kann – oder darf. Seit nun mehr einem Jahr serviert «mysteries» dank Ihrer Unterstützung alle zwei Monate pikante Kost, die manchem Meinungsträger sauer aufstossen dürfte. In diesem Sinne: Herzlichen Dank – und weiterhin guten Appetit!

Luc Bürgin (Herausgeber)

Intelligente Zwerge vor 18 000 Jahren!

Ein Meter grosse Zwerge, die erst vor 13 000 Jahren vom Erdball verschwanden? Vorzeitforscher sind verblüfft: Jüngste Knochenfunde auf der indonesischen Insel Flores deuten auf eine vollkommen unbekannte Menschenrasse hin. Das grösste Rätsel: Die «Hobbits» besassen nur ein Minigehirn. Dennoch waren sie offenbar alles andere als dumm: Steinwerkzeuge, Klingen, Keile und Ahlen in unmittelbarer Umgebung der Knochen deuten auf eine intelligente Spezies hin, die bereits vor 18 000 Jahren erfolgreich Tiere jagte. Entdecker Mark Morwood von der University of New England im australischen Armidale: «Ein so kleines Gehirn in Verbindung mit Werkzeuggebrauch – das erfordert eine neue Vorstellung von der menschlichen Evolution.» Vor rund 13 000 Jahren fielen die Rätselwesen einem örtlichen Vulkanausbruch zum Opfer. Weitere Ausgrabungen in den nächsten Jahren sollen helfen, das Rätsel ihrer Herkunft zu klären.

Von Auto überfahren: UFO-Experte John Mack ist tot

Der international renommierte Harvard-Professor und Pulitzer-Preisträger John Mack ist tot. Der amerikanische Psychiater wurde am 27. September 2004 nach einem Dinner mit Freunden auf dem Heimweg vom PKW eines betrunkenen Autofahrer erfasst. Noch in derselben Nacht erlag er seinen Verletzungen. Mack hatte sich in der Vergangenheit intensiv mit Menschen beschäftigt, die angeblich von UFOs entführt worden waren. Dabei kam er zum Schluss, dass viele von ihnen psychisch vollkommen gesund sind.

Ein schwarz-weißes Foto eines lächelnden Mannes.
Ein schwarz-weißes Foto einer Skulptur eines Fischskeletts.
Eine sehr hohe, pyramidenförmige Struktur mit einem Himmelsfonn.

Auch in der Schweiz entstanden diesen Sommer wieder rätselhafte Kornkreise. Im Zürcher Unterland traten sie gar begleitet von UFO-Sichtungen auf. Bei der Einschätzung des Phänomens bleiben die Fronten verhärtet. Dennoch pilgern immer wieder Schaulustige zu den Formationen. Sie berichten von «seltsamem Kribbeln» und anderen Merkwürdigkeiten – zum Ärger der Landwirte. So zäunte etwa Bauer Guido Roggensinger sein Feld kurzerhand ein, um den materiellen Schaden in Grenzen zu halten.

von Nikolaus Stähelin Wie aus seinem Korn ein Kornkreis wird, kann Bauer Guido Roggensinger nicht beobachten. Er feiert in dieser Vollmondnacht am Züri-Fäscht. Es ist Samstag, der 3. Juli 2004. Am Morgen schläft er aus. Da aber liegt das Piktogramm bereits in seinem Feld am Dorfrand von Thalheim an der Thur im Zürcher Unterland.

Tausende Halme des Winterweizens sind regelmässig im Gegenuhrzeigersinn nach unten gedrückt, eine kreisrunde Figur mit sechs Bogenelementen, scharfen Rändern und einem Durchmesser von 80 Metern zeichnet sich ab. Von oben betrachtet ist es eine Art Fisch mit einem grossen Auge, aber ohne Flossen. Oder die Abstraktion eines Käfers? Oder nur eine beliebige geometrische Anordnung?

Roggensingers Cousine Isabelle Bölsterli sieht das niedergedrückte Korn von einer nahe gelegenen Anhöhe aus und weckt den Bauern. Gemeinsam sehen sie sich das Feld an. Nichts deutet darauf hin, dass in dieser Nacht Menschen am Werk waren.

Dario Jehle, ein an Kornkreisen interessierter junger Mann aus dem Nachbardorf, wird benachrichtigt und kommt vorbei.

Er informiert den Kornkreis-Forscher Thomas Peterlunger aus Murten, der am gleichen Wochenende nach Thalheim fährt und den Kreis vermisst.

Ungewohnte Komplexität «Die für schweizerische Verhältnisse ungewohnten Ausmasse und die Komplexität der geometrischen Form haben mich überrascht», schreibt er auf der Website der Schweizer Kornkreisforschung. «Der Kornkreis bei Thalheim (Schweiz). Hunderte pilgerten ins Zürcher Unterland, um die Formation zu begutachten.

innerste Kreis beeindruckte mich durch seine schlichte Schönheit und Genauigkeit. Dieser Eindruck wurde jedoch von den äusseren Ringen und den Kreisbogen nicht bestätigt. Diese variieren zum Teil in der Breite und weisen nicht die gleiche Genauigkeit auf.»

Rund 4000 Kornkreise aus über 45 Ländern sind weltweit dokumentiert. Die schönsten und die meisten – bis zu 150 pro Jahr – entstehen im Süden Englands.

Mittlerweile gibt es auch Meldungen aus China, Südafrika, Chile oder Kasachstan.

Erste Beschreibungen ähnlicher Phänomene datieren aus dem 16. Jahrhundert, sie wurden damals mit dem Teufel in Zusammenhang gebracht. In den 90er- Jahren des letzten Jahrhunderts erscheinen statt einfacher Kreise zunehmend komplexere Figuren mit einer Geometrie aus Kreisen und Ellipsen, Rechtecken, Dreiecken, Linien oder einer Kombination davon – sie werden nun Piktogramme genannt.

Ähnliche Abdrücke in Eis oder Erde zählen die Forscher zum gleichen Phänomen. Die grösste Figur wurde im Juli 1998 im Sand der australischen Wüste entdeckt: Das vier Kilometer grosse Werk, das als Abbildung eines Ureinwohners interpretiert wurde, war sogar aus dem Weltraum gut sichtbar.

Auf Anraten von Kornkreisforscher Thomas Peterlunger zäunt Guido Roggen- ‹‹ Auf Anraten zäunte der Bauer den Kornkreis auf seinem Feld ein.

singer den Kornkreis ein, damit die immer zahlreicheren Besucher nicht unbesehen durchs Feld stapfen. Eine junge Frau aus der Ostschweiz, die ihren Namen nicht preisgeben will, begeht das Feld mehrmals barfuss.

«Wir sind nicht die Einzigen im Universum, das waren Ausserirdische. So etwas können Menschen nicht in einer Nacht herstellen», sagt sie. Viele meditieren oder beten, einige pendeln, andere stehen etwas verloren und skeptisch im niedergedrückten Weizen. Ein Junge hält zwei Grashalme wie ein Pendel in der Hand und grinst: «Es bewegt sich nicht!»

Eine Frau ist überzeugt, der Aufenthalt im Kornkreis lindere die Beschwerden ihres Rheumatismus, eine andere spürt eine Linderung ihrer schweren Bakterienerkrankung. Eine Patientin mit vierfachem Bypass ist «dankbar, dass ich hier besser atmen kann». Sie will wiederkommen. Viele, vor allem Frauen, berichten von einem Kribbeln an den Füssen.

Der Kirchen-Sigristin Vreni Roduner aus dem Nachbardorf Gütighausen wird schwindlig im Kornkreis, sie muss das Feld verlassen. Es sei, wie wenn Kraft durch sie hindurchströme, sagt sie zum Reporter von «Tele Züri». Nicht eigentlich unangenehm. «Aber ich merke, dass ich nicht hierher gehöre.»

Die Schweiz ist ein Nebenschauplatz Detailansicht aus dem Thalheimer Piktogramm. Fotos: Thomas Peterlunger.

des Kornkreis-Phänomens. Im Juni 1993 entdeckten Zugfahrende bei Gümmenen im Saanetal ein einfaches Zeichen in einem Weizenfeld. Es war 18,4 Meter lang, der grosse Ring hatte einen Durchmesser von 11,5 Metern. Erst 2002 wurden zwei weitere Kornkreise bekannt.

Im Folgejahr waren es bereits zehn. Interessant ist ein Ring mit 2,5 Metern Durchmesser in einem Kleefeld.

Das Merkwürdige daran sind die Halme und Blätter der untersten, niedergelegten Schicht im Ring, die wie schwarz eingefärbt sind und bald zu faulen anfangen – ein von Menschen schwer reproduzierbarer Vorgang.

Fünf Kreise und ein Stern Auch Bauer Hans Kübler aus dem Schaffhausischen Siblingen meldete im Juni 2003 ein merkwürdiges Phänomen: Anscheinend über Nacht war eine Figur mit fünf Kreisen in seinem Gerstenfeld erschienen, eine Woche später ergänzt durch einen Davidstern.

Bei Rutengängern und Pendlern würden die Kreise ‹‹ Beim Betreten des Kreises habe er ein Kribbeln verspürt…

«angeben», schreibt Hans Kübler in einer Broschüre. Auch er habe beim Betreten ein «Kribbeln» verspürt und in der Nacht des Entstehens ein starkes Sirren gehört. Im Stall seien alle 130 Kühe brüllend dagestanden.

Im Jahr 2004 kommt die erste Meldung Ende Juni aus Büttenhardt im Kanton Schaffhausen, wo eine Formation mit 140 Metern Länge in einem Roggenfeld aufgetaucht ist – das grösste bisher in der Schweiz gesichtete Piktogramm. Am 17. Juli entsteht in Worb bei Bern ein Piktogramm, am 24. Juli in Wiesendangen, Kanton Zürich. Alle drei sind wahrscheinlich durch Menschenhand entstanden.

Und dazwischen Thalheim an der Thur. Der Eintritt von fünf Franken, den die Familie Roggensinger verlangt, hält niemanden ab. Das Parkieren ist gratis. Nach zwei Wochen sind es schon über 1000 Besucherinnen und Besucher, die, meist mit dem Auto, nach Thalheim fahren und den Kornkreis betreten wollen. Auch aus dem nahen Ausland kommen Neugierige.

Mit dem Geld aus den Eintritten sei der Schaden von rund 1500 Franken mehr als gedeckt, sagt Guido Roggensinger nüchtern. Die Ernte will er dieses Jahr als «Kornkreis-Weizen» absetzen. Zu kaufen gibt es auch T-Shirts und Anhänger mit der abgebildeten Figur, ein Luftbild ist für 20 Franken zu haben.

Ärger mit Randalierern Der Bauer selber glaubt an einen Bubenstreich. «Vögel fliegen übers Feld, auch mein Hund kam mit mir in den Kreis, ich habe absolut nichts gespürt.» Auch sein Handy ist nicht ausgestiegen, wie man es von andern Kornkreisen berichtet.

Cousine Isabelle Bölsterli nervt sich, wenn sie auf das «grosse Geschäft» angesprochen wird. Bereits hätten Randalierer einmal den Zaun niedergedrückt und den Tisch mit der Kasse zu Boden geschlagen. Auch diffuse Warnungen von Hobby-Propheten, dass «bald jemand sterben» werde, hört sie ungern. Den Rummel findet Bölsterli überzogen.

Aber dass ihr Kornkreis ein echtes Naturphänomen ist, daran zweifelt sie nicht: «Kürzlich gab es ringsum schwarze Wolken, nur auf dem Feld blieb es hell, und dann hagelte es überall, nur nicht auf diesem Feld – es ist schon verrückt.»

«Echt oder gefälscht?» ist seit Jahren die am meisten diskutierte Frage, sobald ein Kornkreis auftaucht. «Echt» meint, dass keine Spuren von menschlicher Einwirkung zu beobachten sind, die Figuren innert weniger Minuten oder Stunden entstehen und von oben aus gesehen gestochen scharf erscheinen.

Mit «gefälschten» Kornkreisen sind Nachahmungen von Menschenhand gemeint, entweder als angekündigtes Experiment von Forscherkreisen, oder insgeheim zur Täuschung der Kornkreis-Gemeinde angelegt.

Naturgemäss werden alle neu entdeckten Kreise zuerst einmal auf Fälscherspuren hin geprüft. Als vorläufig «echt» anerkennt die Kornkreis-Gemeinde dann diejenigen Formationen, bei denen nichts Derartiges zu finden ist und die einen hohen Grad an Komplexität aufweisen.

Die Schätzungen darüber, wie viele Kornkreise von Menschenhand geschaffen wurden, schwanken zwischen 20 und 80 Prozent. In England sind über die Sommermonate regelrechte Verfolgungsjagden zwischen Fälschern und Hobby-Forschern im Gange, wobei auch Radar oder Wärme-Kameras zum Einsatz kommen.

Gutgläubige machen sich lächerlich, wenn sie beseelt von Piktogrammen mit ausserirdischen Botschaften erzählen, die sich später als von Menschenhand gemacht entpuppen. Umgekehrt behaupten die Fälscher, die sich in Gruppen organisieren, sie könnten jede Formation innert weniger Stunden imitieren, sogar nachts – scheitern aber meist kläglich beim Tatbeweis: Entweder benötigen sie viel mehr Zeit, oder die Formationen sind geometrisch alles andere als perfekt, oder die Täter hinterlassen menschliche Spuren. Bei «echten» Piktogrammen, auch wenn sie während starkem Regen entstanden, fehlen Fussspuren, und die Halme sind völlig schlammfrei.

Untersuchungen im Labor Laboruntersuchungen von Boden- und Getreideproben aus als «echt» erachteten Kornkreisen haben einige Unterschiede zu Kontroll-Proben ergeben: Sowohl in der Länge als auch in der Dicke stark veränderte Wachstumsknoten der Halme, von innen nach aussen geplatzte Wachstumsknoten, verkümmerte und deformierte Ähren, deutliche Veränderungen im Wachstumsverhalten der Ähren, die nach der Entnahme unter Laborbedingungen zum Keimen gebracht wurden, und erhöhte radioaktive Strahlung.

Viele der Phänomene – wenn auch nicht alle – lassen sich dadurch simulieren, dass man die Ähren für einige Sekunden in einen Mikrowellenofen steckt. Eine zur Zeit gängige Theorie über die Entstehung der Kreise geht denn auch davon aus, dass eine kurze Erhitzung durch eine Strahlung unbekannter Herkunft die Veränderungen und die Biegung des Korns hervorrufen.

Für Skeptiker, sofern sie nicht pauschal alle Kreise als menschengemacht hinstellen, handelt es sich dabei höchstens um ein noch nicht erforschtes Naturphänomen. Andere hingegen bestehen darauf, dass hinter den komplexen Figuren eine nichtmenschliche Intelligenz stehen müsse.

«Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass wir eine ganze Reihe von absolut standfesten Beweisen für ein echtes – nicht menschengetrampeltes – Phänomen vorlegen können», schreibt der deutsche Kornkreis-Forscher und Buchautor Andreas Müller.

Sein Schweizer Kollege Thomas Peterlunger bleibt vorsichtiger: «Es ist ein echtes Phänomen, vielleicht etwas Meteorologisches, wobei man eine Intelligenz als Gestaltungskraft fast annehmen muss.»

Dazu passen die zahlreichen Schilderungen, die von seltsamen rot-weissen Lichtern und von UFOs in der Nähe von neu entstandenen Kornkreisen berichten.

Zurück zur Formation von Thalheim im Zürcher Unterland: «Keine Ufos, keine Ausserirdischen», antwortet Karl Steiner von der Informationszentrale der Zürcher Kantonspolizei kurz angebunden auf die Frage nach besonderen Vorkommnissen in der betreffenden Nacht. Auch die Radar-Aufnahmen der Schweizer Luftwaffe sind unauffällig.

Doch am 19. Juli 2004 berichtet der Zürcher «Tages-Anzeiger» von einem anonym bleibenden SBB-Lokomotivführer, der in der besagten Nacht einen Spätkurs von Zürich nach Stein am Rhein fuhr.

Wenige Kilometer nördlich von Thalheim will er eine Lichterscheinung am Himmel bemerkt haben, die auch von einer Zugbegleiterin und einer Kollegin entdeckt wurde: nach seinen Worten eine grosse, bogenförmige Figur in verschiedenen Grau-Tönen.

Beim nächsten Bahnhof verschwand die Erscheinung in einer Art weisser Wolke. Bei der Endstation dann sahen die Drei ein grosses, grün-rot-weisses Licht blinken. Auf der Rückfahrt bekam der Lokführer etwa an der gleichen Stelle wie zuvor eine starke Hühnerhaut, die erst nach ein bis zwei Minuten allmählich wieder abklang.

Erst Tage später will er über den Kornkreis gelesen haben. Eine Festgesellschaft in Guntalingen, dem Nachbardorf von Thalheim, bestätigt einige der vom Lokführer beschriebenen Vorkommnisse.

Das Lokalfernsehen «Tele Züri» berichtet ebenfalls über den Lokomotiv-Führer, auch hier ohne ihn im Bild zu zeigen.

«Spekulationen schiessen ins Kraut», betitelt die Moderatorin den Beitrag und ‹‹ Für die etablierten Medien ist das Thema damit abgeschlossen.

lächelt dazu ironisch. Ob die Lichter nicht doch vom Züri-Fest stammen, sei nicht abschliessend zu klären, schliesst sie. Von Zürich bis Stein am Rhein sind es 40 Kilometer.

Damit ist für die etablierten Medien das Thema abgeschlossen: Von den drei Schweizer Sonntagszeitungen über die «Weltwoche» bis hin zu edlen Hochglanz-Magazinen mit Untertiteln wie «Die Wunder der Welt» bringt niemand mehr einen Beitrag.

Nur der «Tages-Anzeiger» schiebt noch nach, dass Bauer Roggensinger ein spezielles Kornkreis-Bier hat brauen lassen.

Sicher ist: Kornkreise haben innerhalb der unerklärten Phänome eine Sonderstellung: Sie sind von jedermann zu sehen und bleiben erhalten, bis der Bauer das Feld mäht.

Die Schulwissenschaft schweigt sich über die Formationen und ihre Entstehung weitgehend aus, befragte Wissenschaftler sprechen höchstens von noch nicht erforschten Energien, welche den Gesetzen der Naturwissenschaft nicht widersprechen müssten.

Die «Gläubigen» wie zum Beispiel der Kulturanthropologe und langjährige Kornkreis-Erforscher Michael Hesemann dagegen werden ungeduldig: «Von den einst vielleicht zwanzig verschiedenen Kornkreis-Ursprungstheorien – von sich paarenden Igeln bis zu intelligenten Plasma-Wirbeln, den Kräften von Mutter Erde oder SDI-Experimenten der Militärs bis zu kreativen Erdgeistern – sind eigentlich nur noch zwei übriggeblieben:Aliens oder Hoaxers: Ausserirdische mit UFOs oder menschliche Scherzbolde.»

Wer mehr wissen will: Forscher Werner Anderhub ist mit seiner Diashow bis April 2005 in der Schweiz unterwegs. Daten auf: www.kornkreise.ch.

Ein schwarz-weißes Foto eines Feldes mit einigen Bäumen in der Ferne.
Ein schwarz-weißes Foto eines Grasfelds.
Ein schwarz-weißes Foto eines Grasfelds.

Seit Jahren verblüfft Sepp Holzer Landwirtschaftsexperten und Wissenschaftler. Auf seinem Krameterhof in einem Tal im südlichen Salzburgerland – auch als «Sibirien» Österreichs bekannt – lässt der Bergbauer bis auf 1600 Meter Höhe Äpfel, Birnen, Kirschen und Kiwis gedeihen. Von den Behörden jahrzehntelang schikaniert, ist der Agrar-Rebell mittlerweile zum «Idol einer neuen Landwirtschaft» geworden. Heute betreut Sepp Holzer landwirtschaftliche Projekte auf der ganzen Welt.

von René Haenig Jahrzehntelang haben sie ihn ausgelacht und für verrückt erklärt: Ihn, den Sepp Holzer. Schwer gemacht haben sie ihm das Leben, dem kleinen Bergbauern aus dem österreichischen Lungau, einem kleinen Tal im südlichen Salzburgerland.

«Für die hohen Herren in der Landwirtschaftskammer war ich nur ein Spinner, ein Verrückter, ein Exot», erinnert sich der 62-jährige Landwirt inzwischen fast schon amüsiert. Holzer könnte verbittert sein, denn nur allzu oft haben ihn sture Beamte vor Gericht gezerrt. «Ich bin der am meisten bestrafte Bauer von Österreich», sagt der streitbare Landwirt über sich selbst.

Er hat sich nicht unterkriegen lassen.

Weder von den Behörden noch von den Spöttern. Heute ist der Agrar-Rebell eher so etwas wie ein Held. Zu Tausenden pilgern die Leute inzwischen auf Holzers auf 1300 Meter über Meer gelegenen Krameterhof, um sein Paradies zu bewundern.

Kiwis bis in den Oktober Selbst Wissenschaftler aus der ganzen Welt wollen sehen, wie es der alte Bergbauer schafft, dass auf seinem kargen Boden Äpfel, Birnen, Kiwis und Kirschen gedeihen – und das bis in den Oktober hinein.

Sepp Holzer ist inzwischen berühmt für seine Bewirtschaftungsart der so genannten Permakultur. Zwei Bücher berichten über ihn und seine Art der Landwirtschaft. Und er betreut mittlerweile Projekte in Brasilien, Kolumbien und Thailand.

Vor vier Wochen erst ist er aus Russ-